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Calabrien - Apulien : und Streifereien an den obertalienischen Seen / von J.V. Widmann
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Durch Ccüabrien und Apulien.

,una easa morta", wie man hierzulande die von einemErdbeben halb zerstörten und von den Bewohnern verlassenenHäuser nennt, daß auch in diesem Paradiese die Schlangenicht fehlt, oder vielmehr ein lauernder Feuerdrache des Ab-grundes.

Mein Zug hielt in Reggio centrale an. Die Schnell-züge fahren weiter bis Reggio Porto, d. h. an den Hafen,von wo sie mit ihren durchgehenden Wagen auf einer Dampf-fähre nach Messina hinübergebracht werden. Um mir denGasthof nach Belieben selbst aussuchen zu können, ließ ichmeinen Handkoffer auf der Station zurück und schlendertedie lange, am Vormittag wenig belebte, aber breite und saubereQuaistraße entlang, den Blick fast immer auf die Meerengegerichtet und auf die nahe sizilische Küste. Dann führte micheine kurze Querstraße in die Hauptverkehrsader, den CorsoGaribaldi, wo ich nun allerdings merkte, daß ich mich inder über 40,000 Einwohner zählenden Hauptstadt des süd-lichen Calabriens befand. Die rot, blau, gelb angestrichenen,meistens freilich nur einstöckigen Häuser weisen im Erdgeschoßeine Menge eleganter Läden auf, unter denen die vielenluxuriösenSaloni" der Coiffeure, die fast unzähligenApothekergeschäfte und die Auslagen der Zuckerbäcker die auf-fallendsten sind. Die letzteren zeigten jetzt, in der Karwoche,zwar keine Osterhasen, aber dafür Osterlämmer, d. h. großeweiße, gelbe und schwarze Schafe, auf denen das Christus-kind reitend dargestellt war init einer aus Goldflitter undStecknadeln hergestellten Strahlenkrone ums Haupt. In dembelebten Straßenbilde waren die vielen auf ihren Eselchenreitenden Landbewohner eine eigenartige Erscheinung, besonderswenn sie ihre Tiere im Galopp ausgreifen ließen. Vonöffentlichen Gebäuden dürfte die Post am ehesten Ansprucherheben, als Palazzo bezeichnet zu werden. Altertümlich schöne