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Festschrift zum Jubiläum der Thurgauischen Kantonsschule 1903 : Geschichte der Gründung der Thurgauischen Kantonsschule, nebst Beiträgen zur Chronik und Statistik der Schule von 1853-1903 / von G. Büeler
(Rektor der Kantonsschule)
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Wenn wir uns nach dieser Darstellung der Verhandlungen dieFrage vorlegen, ob wir diesen Mißerfolg der Bestrebungen Möri-kofers und seiner Freunde bedauern sollen, so können wir die-selbe entschieden verneinen. Die älteren Mitglieder lebten zu sehrin den Anschauungen der alten Zeit und waren für Neuerungennicht empfänglich; in der alten Regierung war, wie Mörikofer sagt(Erlebnisse S. 56), niemand gewesen, der einen hinlänglichen Be-griff vom Einflüsse wissenschaftlicher Bildung gehabt hätte, undnamentlich keiner, welcher aus eigener Erfahrung sich vom Werteder klassischen Bildung hätte überzeugen können. Der Gedanke,nur für die Ausbildung kleiner Kreise, nur für die Honoratiorenzu sorgen und aus dieser die zukünftigen Beamten zu wählen,mochte für viele verlockend sein. Es war zu befürchten, daß derPlan Freyenmuths angenommen würde, so daß statt einer Kantons-schule eine kantonale Sekundarschule gegründet worden wäre.Außerdem war für die Ideen der jungen, vorwärts strebendenMitglieder der Boden noch zu wenig vorbereitet; die Elementar-und Privatschulen wiesen noch zu geringe Leistungen auf, so daßdie Meinung, eine Kantonsschule wäre ohne organischen Zusammen-hang mit den übrigen Schulen, ihre Berechtigung haben mochte.Es verdient jedoch anerkennend hervorgehoben zu werden, daßschon vor 1830 eine Reihe einsichtiger, gemeinnütziger Männer,wie Mörikofer, Pupikofer, Bornhauser, Widmer u. a., ein regesInteresse und ein großes Verständnis für die Fragen des öffent-lichen Unterrichts bekundeten und durch ihre gründlichen Referateden Grund legten zu den Fortschritten, welche die nächsten Jahr-zehnte brachten. Die Gemeinnützige Gesellschaft allerdings warnach den politischen Stürmen des Jahres 1830 nicht in der Lage,einen großen Einfluß auf die Gestaltung des Unterrichtswesensauszuüben; aber die Projekte, welche in ihrer Mitte zur Sprachegekommen waren, wurden nachher meistens von den gleichenMännern in den Behörden vertreten und ausgeführt.