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Am See und im Land : Erzählung / von Conrad Uhler
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getürmt. Ihr Inhalt mußte wertvoll sein; denn dick-gemalte Ziffern meldeten: „10000 Franken" oder gar„20000 Franken." Zum Schutz solch namhaften Schatzessaßen kräftige Bursche in Turnergewandung, mit Helle-barden und Morgensternen bewaffnet, darauf. Wehedem, der sich an den Reichtümern vergreifen sollte! Galtder große Geldvorrat wohl einem gemeinnützigen Zweck?Dorn über dem Wagen verkündete nämlich ein mitSchilfrohr bekränztes Plakat: „Liebessteuer zur Re-paratur der Dachrinne dem See entlang." Und daßdiese edle Wohltätigkeit gebührend vor die Augen trete,schwebte ein rostiger, in der Mitte zerbrochener Dach-kännel über dem Fuder und schwankte unsicher hinund her.

Mitten auf dem Bahnhofplatz wurde Halt gemachtund das Fuder abgeladen. Kinder, Frauen, auch etlicheMänner eilten herbei; denn es tönte gar schauerlich überdie Straße:

Kaum gedacht, kaum gedacht,

Wird der Lust ein End gemacht!

Gestern noch auf stolzen Rossen,

Heute durch die Brust geschossen,

Morgen in das kühle Grab!

Die Bursche trockneten sich gegenseitig die Jährenvon den sonn gebräunten Wangen. Ein rührender An-blick! Doch, wie es die leichtlebige Jugend hat: dasHerzeleid ging ihnen nicht zu tief; in raschem TrabZogen die Rosse den leeren Wagen wieder aufwärts,Amriswil zu, und schon oben an der Dorfgrenze gröhlteund johlte es satanisch gegen den See.