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Schulbuch für den sprachlichen und realistischen Unterricht in thurgauischen Primarschulen : V. Schuljahr
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wirklich so arm ? sprach der Lehrer,du stehst ja involler Gesundheit vor mir.Diese Hand, fuhr er fort,indem er seine Rechte ergriffkräftig und geschicktzur Arbeit würdest du sie wohl um 1000 Taler dirabnehmen lassen?Bewahre mich Gott, sprach derJüngling,wie könnte mir das einfallen!Und deineAugen, fuhr der Lehrer fort,die so frisch in Gottesschöne Welt hineinschauen, um wie viel Geld würdestdu sie wohl hingeben? Und dein Gehör, durch das derGesang der Vogel, die Stimme deiner Freunde zu dirdringt, würdest du es wohl um die Schätze eines Königsvertauschen ? - -Gewiss nicht, antwortete der Jüngling.Nun denn, versetzte der Lehrer,so klage nicht, dassdu arm bist; du hast Güter, die alles Geld überwiegen!

20. Kindliche Guttätigkeit.

Ein armer Taglöhner, Namens Morwan, kam im Winter1842 mit seinem neunjährigen Knaben nach Paris , umbei den Befestigungsarbeiten irgend Beschäftigung undBrot zu suchen. Er wurde unter die Arbeiter aufgenommen;aber er verdiente kaum so viel, um Nahrung und Wohnungbezahlen zu können.

Sein Knäblein hatte die Bewilligung erhalten, dieDorfschule im benachbarten Passy zu besuchen. Eswar aber nicht selten, dass der arme Mann und seinSöhnlein des Abendbrotes und des Nachtessens entbehrenmussten. In dieser traurigen Voraussicht sagte eines Tagesder arme, aber lebhafte Knabe zu einem seiner Schul-kameraden:Heute werden wir, ich und mein Vater,wohl wieder ohne Nachtessen schlafen gehen müssen;denn wir haben gar kein Brot mehr. Diese Rede ver-nahmen die andern Kinder mit Staunen. Die Wortegingen von Mund zu Munde und erregten die kindlichenHerzen zum Mitleid. Am andern Morgen trat einer derkleinen Mitschüler, obgleich er selbst dürftig war, zu demKnaben des Taglöhners und teilte sein Brot mit demselben.