12
Dieses Beispiel -wirkte auf die ganze Kinderschar, undviele drängten sich heran, um von ihrem Morgen- oderMittagsbrote, oder was sie sonst zu essen mitbrachten,dem armen Knaben einen Teil zu gewähren. Sie fragtenauch, an welchen Tagen denn ihm und seinem Vaterdie Nahrung gebreche, und er antwortete der Wahrheitgemäss: „An den Tagen, an welchen das Wetter garschlimm ist, kann mein Vater nicht draussen arbeiten;dann verdient er kein Geld, und dann kann er auchkeine Speise kaufen“.
Die Kinder merkten sich diese Worte, und so oft dieWitterung schlimm war, boten sie nicht nur ihrem armenMitschüler genügende Speise dar, sondern drängten ihn,auch noch Brot und andere Nahrungsmittel für seinenVater anzunehmen und sie demselben am Abend heim-zubringen. Was hiebei noch besonders bemerkt werdenmuss, ist die Beharrlichkeit, mit welcher die Kleinen ihreWohltätigkeit fortsetzten. Und so halfen sie wirklich demarmen Manne und seinem Söhnlein über die schwere Notdes lange andauernden Winters hinaus.
Als endlich der Frühling wieder kam, wollte derMann mit seinem Söhnlein in die Landschaft zurückkehren,von wo sie hergekommen waren. Doch sein Gemüt drängteihn, die guten Schulknaben in Passy vorher zu besuchenund ihnen zu danken. Die Kinder hörten mit Erstaunenseine Worte; denn sie hatten keinen Dank erwartet,und als ihm und seinem Söhnlein Dankestränen über dieWangen rollten, da weinten sie mit ihm, obgleich siefröhlichen Herzens waren.
21. Aas Wunderkästchen.
Eine Hausfrau Hatte in ihrer Haushaltung allerlei Unglücks-fälle, und ihr Vermögen nahm jährlich ab. Da ging sie inden Wald zu einem alten Einsiedler, erzählte ihm ihre betrü-benden Umstände und sagte: „Es geht in meinem Hause einmal