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39. Das mühsam gesuchte Brot.
Yor etwas mehr als hundert Jahren, im Jahre 1771,herrschte im Thurgau eine drückende Hungersnot. Diebeiden Jahre vorher war die Witterung so schlecht,dass grosser Misswachs entstand und infolgedessen auchTeuerung. Ein Viertel Korn kostete im Anfang desJahres 1770 schon zwei Gulden, am Ende desselbenaber 4J/2, und im Brachmonat des folgenden Jahressogar neun Gulden. Solche Summen konnten arme Leutenicht mehr aufbringen, und manche suchten mit Wurzelnund Kräutern ihren Hunger zu stillen. Aber auch Wohl-habende, denen das Geld nicht fehlte, fanden bald dienötige Nahrung nicht mehr, da sie eben überhaupt nichtmehr vorhanden und auch um schweres Geld nicht zukaufen war. Schwaben , woher sonst viel Getreide indie Schweiz eingeführt wurde, hatte selber Mangel, undes wurde deshalb die Ausfuhr daselbst verboten.
In dieser Zeit grösster Not kamen zwei Bürger vonWeinselden , Jakob Schweizer, Krämer, und Joseph Born-hauser, Bäcker, auf den Gedanken, in Oberitalien eineLadung Getreide aufzukaufen und nach Weinfelden zutransportiren. Aber damals gab es keine Eisenbahnen,und die Strassen waren meistens schlecht. Wollte mandas Korn von Oberitalien nach dem Thurgau bringen, •so musste man sich entschlossen, dasselbe auf dem Rückenüber die hohen Alpen und bis an seinen Bestimmungs-ort zu tragen. Die genannten Unternehmer kamen mitneun kräftigen Männern überein, dass diese gegen einenbestimmten Taglohn das zu kaufende Getreide aus Rahennach Hause tragen sollten.
Am 27. Mai reiste die Schar von Weinfelden ab,über Fischingen, Fischental, Rapperswyl, Schwyz, Flüelen ,Altdorf und über den St. Gotthard bis nach Bellin-zona, wo man am 31. Mai anlangte und glücklich das
THurg. Schulbuch f. d. 5. Schuljahr. 3