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Thomas Scherr im Thurgau / von Dr. Albert Leutenegger
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Thomas Scherr

jubelndem Lebehoch. Was mir dieses Fest am meisten verschönerte»das waren mir Vater und Mutter, die in ihrem hohen Alter ausweiter Ferne gekommen waren.

Des andern Tages durchzogen wir unter lautem Lieder-schalle die Stadt Konstanz und erreichten unter Lust und Scherzdie lieblichste Insel des Bodensees. Nie aber wird einer vomZuge vergessen, wie majestätisch, harmonisch sich im großen Saaledes Schlosses Mainau der Männerchor ausnahm. Hier undsonst nirgends habe ich denselben in seiner ganzen Macht undPracht vernommen.

Lange noch klang in Scherr die Freude über den Besuchder Zürcher Lehrer nach. Aber trotz einzelner Lichtblicke warseine Stimmung in der Urlaubszeit nicht rosig. Im KantonZürich arbeiteten zähe Gegner offen an seinem Sturze. Beihäuslicher Trauer und hartem Zwang zu beständiger Abwehrvermochte in ihm natürlich kein Frohmut aufzukommen. Gleich-wohl beabsichtigte er nach Ablauf der Urlaubszeit den Dienstwieder aufzunehmen, immerhin mit dem bestimmten Borsatz,in nicht allzu ferner Zukunft dem Sturme zu weichen. Am28. August reiste seine Frau nach Wattwil ; drei Tage spätergedachte die ganze Familie in Küsnacht wieder beisammenzu sein. Ueber die nächsten Tage enthält derPädagog.Beobachter" vom 18. Oktober 1839 folgende MitteilungenScherrs:

Die Effekten wurden dem Speditor Märklin in Eottliebenübergeben; ich nahm eine Postkarte auf den Dreißigsten; dieübrige Haushaltung sollte durch Fuhrmann Katzenmeyer vonKonstanz am 31. nach Küsnacht gebracht werden. Bei denVorbereitungen zur Reise zog ich mir eine Erkältung zu undam 29. erklärte der Arzt, 1>r. Lauter, daß meine verschlimmertenGesundheitszustände durchaus die Abreise unmöglich machten. Durcheinen Boten wurde meine Frau von Wattwil zurückgeholt, dieganze Reise abgestellt."

Wenige Tage später kam die Kunde vom September-putsch nach der Hochstraße. Scherr schreibt in seinenBeob-achtungen" :

Wir saßen am 7. September mit Herrn Simon aus Bern zu Tische, als mein ehemaliger taubstummer Zögling, Ulrich Steffen,der in Konstanz sich mit Porträtzeichnen beschäftigte, atemloshereinstürzte und die Worte stammelte: In Zürich Revolution;viele Leute tot, Bürgermeister Hirzel auch tot!"