Buch 
Thomas Scherr im Thurgau / von Dr. Albert Leutenegger
Entstehung
Seite
24
JPEG-Download
 

24

Thomas Scherr

er auch in einer Reihe anderer Verfassungsfragen mit einerSachkenntnis eingriff, die ihm niemand zugetraut hatte. Mitdem Vorschlag, eine Schulsynode zu schaffen, unterlag er imFünfzehnerausschuh, immerhin nur mit sechs gegen fünfStimmen. Der Bericht der Mehrheit sagt,weil man demKastengeist, der hie und da wieder aufzutauchen scheine, keinenVorschub leisten wollte". Diese Begründung ist von geringemWert. Sie stimmt auch nicht mit den Erwägungen des Fünf-zehnerrates. Wohl wurde von Kastengeist gesprochen. Abergefallen ist der Antrag zuletzt aus zwei andern Gründen:Die Mehrheit fand nämlich, eine Schulsynode könne auch aufdem Eesetzeswege geschaffen werden, wie auch die kirchlicheSynode entstanden sei ohne verfassungsmäßige Grundlage.Schwerer aber noch wog die wahrscheinlich von Kern stam-mende Einwendung: Entweder räume man der Schulsynodebesondere Befugnisse ein, dann schaffe man für die Lehrer-schaft Vorrechte, die von andern Berufsvereinigungen ange-fochten oder ebenfalls angestrebt werden, oder man gründeeine Synode ohne ausdrückliche Sonderrechte, dann sei sieüberhaupt verfassungsrechtlich bedeutungslos; denn wenn sienur Wünsche und Anträge an die Behörden bringen könne,so habe sie damit bloß ein Recht, das jeder beliebigen, gesetz-lich gar nicht vorgesehenen Vereinigung oder sogar dem ein-zelnen Bürger offen stehe. Ungern gab Scherr die Synodepreis und verteidigte sie auch im Gesamtrate nicht mehr.Dagegen wehrte er sich gegen Kappeler für den Verfassungs-satz 55, der den Lehrern in Bezug auf Lehrplan- und Lehr-mittelfragen ein Begutachtungsrecht einräumte. Die Schul-synode war für einmal begraben; dagegen erwuchs aus jenemBegutachtungsrecht heraus im Jahre 1860 die für alle Lehrerverbindliche Kantonalkonferenz. Die Schulsynode aber kamdoch. Sie wurde durch die Verfassung von 1869 geschaffen.Scherr wird sich, obwohl er sich an den 69er Kämpfen nichtmehr beteiligte, der Errungenschaft gefreut haben und mit Recht.Er hatte daran seinen redlichen Anteil. Man wird nicht soweit gehen dürfen, Scherr geradezu als Schöpfer der thur-gallischen Schulsynode auszugeben. Die Lebrersynode bestand