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Thomas Scherr
einer Menge geistvoller Aeußerungen. Mit gespannter Auf-merksamkeit richtete er 1848 und 1849 seine Blicke nachDeutschland, seiner frühern Heimat. Häufig betraten deutsche Flüchtlinge bei Kreuzlingen die Schweizergrenze und mit frei-sinnigen Konstanzern wie Or. Vanotti, Arzt, Dr. Vaontti,Rechtsanwalt, Dr. Stephany, N. Katzenmeier, Meßmer, Trois-dorf (?) war er persönlich bekannt. Scherr versprach sich von derdeutschen Bewegung von Anfang an nicht viel. Unter demEindruck der Zänkereien um nebensächliche Verfassungsfragenschrieb er 1848:
„Die amerikanische Verfassung wurde in einigen Stundenentworfen, in einer Woche beraten und angenommen und daswaren schlichte Leute, ohne juristische und diplomatische Bildung;sie liehen den Verstand gescheiter Männer walten und es ginggut. Wir Europäer sind ein durch Wissenschaft, Kenntnisse, Kon-venienzen und Geschichte verdorbenes Geschlecht."
Daß Scherr als geistig hochstehender Mann auch denandern Zeitereignissen, wie dem Krimkrieg, der BefreiungItaliens, dem preußisch-österreichischen Krieg von 1866 volleAufmerksamkeit schenkte, ist wohl ohne weiteres anzunehmen.Nur läßt sich der Beweis hiefür nicht mehr bequem undsicher führen mit Hülfe der mehrfach erwähnten Briefe nachSt. Gallen ; denn der Tod der B. Steinmann machte im Jahre1864 dem Briefwechsel ein jähes Ende?) — Erwähnenswertist nur noch, daß Scherr gelegentlich auch Ausblicke in die Zukunftwagte und daß er sich in dem sonst immer gefährlichen Irr-garten geschichtlicher Boraussagungen nicht ungeschickt bewegte.Am Neujahrstage 1848 schrieb er im Tone größter Sicherheit,daß der Völkersturm kommen müsse, es seien der Zeichen zuviele. Am 7. März des nämlichen Jahres sagte er mit eben-so großer Bestimmtheit voraus, es werde mit dem „borniertenQuerkopf" Metternich ein schlimmes Ende nehmen. Im Ok-tober 1851 ging er eine Wette ein, Prinz Napoleon werdesich mit Gewalt an die Spitze Frankreichs stellen. Daß erschon zwei Monate darauf die Wette gewonnen hatte, machte
>) Den letzten Brief an B. Steinmann schrieb Scherr am 26. Mai1864 in Baden, wo er sich nur zur Erholung befand.