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Lehr- und Lesebuch für die Thurgauischen Volksschulen, 7. bis 9. Schuljahr / [Ignaz T. Scherr] ; bearbeitet im Auftrage des Erziehungsdepartements
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gewahr; es fährt auf ihn ein der Diener Schar:Hinaus mit dir,du schlimmer Geselle!" Und trieben ihn aus von Flur und Schwelle.Ja, einer tät' die Hund' auf ihn hetzen; doch die den Herren nichtverletzen.

^ Nun sinnet er nach, wie ihm gescheh'n, und sinnt bei sich imFürbaßgeh'n: Soll er das Haus mit Feuer strafen? Soll er die Sünderlassen schlafen? Man kann dem Bösen nichts Ärgeres tun, als ihnim Bösen lassen beruh'n; doch seht er ihnen noch Gnade aus. Dannkommt er an eines Armen Haus, das sieht gar klein und freundlichaus: Eltern und Kinder um einen Tisch, die essen einen gesott'nenFisch, der heut' dem Vater ins Netz gegangen, und haben's so gut nichtgehabt seit langem; ein kleines Hündlein hebt ein Bein; das Hündlcinwill auch gespeiset sein.

b Wie da der Herr hinzugetreten und sanft um eine Gabe gebeten,das junge Weib aufsteht gewandt und führt den Bettler an ihrer Hand;zu ihrem Tisch heißt sie ihn sehen, weil sie sich heut' an was Selt'nemletzen. Und Eltern und Kinder wurden satt, weil's ihnen der Herrgesegnet hatt', und sprachen:Hab' Dank, Herr Jesu Christ, daß duunser Gast gewesen bist!" Die Krumen streut sie hinaus zur Linde,damit auch das Vöglein Speise finde.

b Drauf setzt sich der Vater aus Kamin; sein junges Weib sitztzu ihm hin, stellt ihm sein Kleinstes auf den Schoß und läßt ihm zeigenwie groß? so groß!" Und lehrt's lieb haben den guten Mannund hat gar herzliche Freude daran. Der Herr sitzt ruhig und sanftdaneben; er fühlt das Herz sich heilig heben; der Menschen Leben undihre Lust überwältigt mit Wonne seine Brust. Es wird ihm wohler,es wird ihm trüber; dem Göttlichen gehen die Augen über; er wendetins Dunkel sein Angesicht und wehret den quellenden Tränen nicht.

' Die Knaben legen auf seine Knie' ein Buch, zu zeigen dieBilder drin: Die Hirten und Engel nachts auf dem Feld; dann wieihm das Kind in der Krippe gefällt; die heil'gen drei König' mitihrem Stern, Gold, Weihrauch und Myrrhen sie bringen dem Herrn;den jungen Tobias mit seinem Hündlein, zuletzt Knecht Ruprecht undChristkindlein.

^ Nun leget die Mutter ihr Kind zu Bett, das Vaterunser ihmlehren tät'; da schläft es ein mit nachbetendem Mnnd; die Mutterspricht:Mein Kind, schlaf gesund!" Dann schafft sie dem Bettler einLager herzu; die Leutchen wünschen ihm gute Ruh', um, vor der kaltenNacht geborgen, in der Hütte zu schlafen bis zum Morgen. Da ruhtder Herr nun gern allein; es scheint der Mond ihm hell herein.

d Und als der Morgen begunnte zu tagen, steht er auf, sich hinwegzu tragen, dieweil verlöschen der Sterne Kerzen, und scheidet, sie segnendin seinem Herzen:Bleibt immer arm, ihr guten Leut'! Den Armen