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Lehr- und Lesebuch für die Thurgauischen Volksschulen, 7. bis 9. Schuljahr / [Ignaz T. Scherr] ; bearbeitet im Auftrage des Erziehungsdepartements
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Raum! Er nehme seine Weite, wie's Brauch ist! Achtzig Schrittegeb' ich ihm nicht weniger, noch mehr. Er rühmte sich, auf ihrerhundert seinen Mann zu treffen. Jetzt, Schütze, triff und fehle nichtdas Ziel!

Rudolf der Harras. Gott , das wird ernsthaft! Fallenieder, Knabe! Es gilt, und fleh' den Laitdvogt um dein Leben!

Walter Fürst (beiseite zu Melchthal , der kaum seine Ungeduldbezwingt). Haltet an Euch! Ich fleh' Euch drum, bleibt ruhig!

Gehler. Öffnet die Gasse! Frisch! Was zauderst du? DeinLeben ist verwirkt, ich kann dich töten, und sieh, ich lege gnädig deinGeschick in deine eig'ne kunstgeübte Hand. Der kann nicht klagen überharten Spruch, den man zum Meister seines Schicksals macht. Durühmst dich deines sichern Blicks! Wohlan! Hier gilt es, Schütze,deine Kunst zu zeigen; das Ziel ist würdig, und der Preis ist groß!Das Schwarze treffen in der Scheibe, das kann auch ein andrer!Der ist mir der Meister, der seiner Kunst gewiß ist überall, dem'sHerz nicht in die Hand tritt noch ins Auge.

Walter Fürst (wirft sich vor ihm nieder). Herr Landvogt, wirerkennen Eure Hoheit; doch lasset Gnad' für Recht ergehen, nehmt dieHälfte meiner Habe, nehmt sie ganz! Nur dieses Gräßliche erlasseteinem Vater!

Walter Tell . Großvater, knie' nicht vor dem falschen Mann!Sagt, wo ich hinsteh'n soll! Ich fürcht' mich nicht; der Vater trifftden Vogel ja im Flug; er wird nicht fehlen auf das Herz des Kindes.

Stauffacher. Herr Landvogt, rührt Euch nicht des KindesUnschuld?

Rösselmann. O denket, daß ein Gott im Himmel ist, dem Ihrmüßt Rede steh'n für Eure Taten!

Gehler (zeigt auf den Knaben). Man bind' ihn an die Linde dort.

Walter Tell . Mich binden! Nein, ich will nicht gebunden sein.Ich will stillhalten wie ein Lamm und auch nicht atmen. Wenn ihrmich bindet, nein, so kann ich's nicht, so werd' ich toben gegen meineBande.

Rudolf der Harras. Die Augen nur laß dir verbinden,Knabe!

Walter Tell . Warum die Augen? Denket Ihr, ich fürchte denPfeil von Vaters Hand? Ich will ihn fest erwarten und nicht zuckenmit den Wimpern. Frisch, Vater, zeig's, daß du ein Schütze bist!Er glaubt dir's nicht, er denkt uns zu verderben; dem Wüt'rich zumVerblüffe schieß und triff!

(Er geht an die Linde; man legt ihm den Apfel auf.)

Melchthal (zu den Landleutcn). Was? Soll der Frevel sich vorunsern Augen vollenden? Wozu haben wir geschworen?