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Lehr- und Lesebuch für die Thurgauischen Volksschulen, 7. bis 9. Schuljahr / [Ignaz T. Scherr] ; bearbeitet im Auftrage des Erziehungsdepartements
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und im Jahre 1824 zum erstenmal von einem Wurzelgräber erklettertwurde. Die nördliche ist noch auf der Höhe mit schönen Alpenpflanzenbedeckt und leicht zugänglich.

Merkwürdig ist an der Oflseite des Altmanns der mit Wasserund Eis gefüllte, unergründliche Felsentrichter, Wildsee genannt. DieVolkssage berichtet, daß einst ein Hirtenknabe die Tiefe des Wildseeshabe untersuchen wollen. Wie er aber an den Rand des Wassersgetreten, habe er eine dumpfe Stimme vernommen, welche ihm zurief:Laß mich oder ich fafs' dich!" Auf einem nordöstlichen Felsenstockcder Alpsteingruppe liegt die vielbesuchte Ebenalp.

5. «in Ausflug

zum Wildkirchli und auf die Ebenalp (1850).

Unfern vorn Flecken Appenzell , am nördlichen Fuße des Alpsteins,liegt in einem frischen Wiesengrunde das Weißbad. Drei wasserreiche,klare Bäche, von üppigem Buschwerk beschattet, fließen da zusammenund bilden so die Sitter. Die Kurgebäude sind von ziemlich großemUmfange und bieten recht angenehme Räumlichkeiten. Zumeist wegender vorzüglichen Molken wird der Kurort sehr zahlreich besucht; dieBadequelle hat nur eine untergeordnete Bedeutung.

Häufig machen die Kurgäste Ausflüge auf die nahen Berge desAlpsteins; so verließen auch wir in munterer Gesellschaft gegen dreiUhr nachmittags das Weißbad, um das Wildkirchli und die Ebenalpzu besuchen.

Bald gelangten wir nach der Rhod Schwenkn, in der Geschichtedes Ländchens berühmt, weil ihre Bewohner zuerst das Panier derFreiheit erhoben und den Kampf gegen die Unterdrücker begonnen haben.Die zerstreuten Häuser liegen am Eingänge eines Alpentälchcns, durchwelches der Schwendibach rauscht. Auf einem großen Felsblock standhier ehemals die Burg Rachenstein, wo gewalttätige Vögte hausten,die das Hirtenvölklein verhöhnten und quälten. Als es aber einerdieser kleinen Tyrannen so arg trieb, daß er bissige Jagdhunde aufdie Menschen hetzte, da griffen Männer und Jünglinge zu den Waffen,verjagten den Vogt und zerstörten die Burg. Die friedliche Kapelle,ivelche jetzt neben dem Felsblocke steht, sei aus den Trümmern der Burgerbaut worden.

Allmählich geht es vom Schwenditälchen aufwärts, auf schmalen,gewundenen Pfaden an Bergabhängen, ohne Mühe und ohne Gefahr.Bald hatten wir die Region der Alpenpflanzen erreicht, und von denvielen duftenden Blumen erfreute uns vor allen der große, im reinstenHimmelsblau glänzende Enzian. Munter förderten wir die Schritte undkamen bald zu einer Sennhütte, der Escher genannt. Jetzt aber lenkte