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Lehr- und Lesebuch für die Thurgauischen Volksschulen, 7. bis 9. Schuljahr / [Ignaz T. Scherr] ; bearbeitet im Auftrage des Erziehungsdepartements
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kann. Die im obersten Stockwerk des Schlößchens angebrachte Oamoraobseura gewährt das lieblichste lebendige Gemälde dieses Naturwunders.

Obschon der Rheinfall zu jeder Tageszeit einen majestätisch-schönenAnblick gewährt, so dürfte es doch am geratensten sein, denselben zurSommerszeit vor acht Uhr morgens oder nach drei Uhr abends zubesuchen. Die Sonnenstrahlen bilden in dem aufwirbelnden Wasserstaubeinen prächtigen Regenbogen, der um so deutlicher hervortritt, jehorizontaler jene auffallen.

Der Wasserstaub ist besonders an klaren Wintertagen gleich einerNebelbank weit umher sichtbar und steigt über 30 in in die Höhe.Jenes prickelnde Gefühl an der Nase, welches schon oft als elektrischerGeruch erklärt wurde, dürfte einzig der Wirkung dieses Wasserstaubeszuzuschreiben sein. Man will bemerkt haben, daß der Rheinfall gegenAbend gleichsam belebter werde, weil der Strom dann schneller fließeals in den übrigen Tageszeiten. Diese Angabe bedarf aber noch ge-höriger Bestätigung.

Wundervoll ist der Anblick des Rheinfalles beim Mondscheine.Die schäumenden Wogen leuchten blendend; der Hintergrund ist in tiefesDunkel gehüllt; die Schatten der Felsen erscheinen riesenhaft, und ausden Essen der nahen Eisenwerke sprühen Fenergarben auf.

Die Umgebungen des Rheinfalles sind malerisch. Auf dem rechtenUfer liegen die Gebäude eines Eisenwerkes, deren schwarze Farben grellgegen den weißen Schaum des Falles abstechen. Über demselben ziehtsich das Dorf Neuhansen, von Weinbergen umgeben, in einem Halb-kreise herum, der durch ein Wäldchen gegen Süden abgeschlossen wird.Hoch auf dem Kalkfelsen des linken Ufers ragt das Schloß Laufenempor, das in seiner soliden und schönen Bauart, mit altertümlichemStufengiebel, eine Zierde der Landschaft ist. Dem Wassersturze gegenübererblickt man auf einer kleinen Rheininsel das Schlößchen Wört , undden Hintergrund gegen Osten schließt eine fast kahle Sandfelsenwand.Dicht oberhalb des Falles steht eine aus kolossalen Steinquadern erbauteEisenbahnbrücke, die auf ihrer obern Seite mit einem Steg für Fuß-gänger versehen ist. Von hier aus hat man einen Blick in dasmerkwürdig wilde Wogenspiel der Stromschnellen, wie auf den obernTeil des eigentlichen Falles.

11. Vierwalvstättersee.

Fast in der Mitte der Schweiz und umgeben von den großartigen,lieblichen und schauerlichen Naturmerkmalen, mit welchen der Welt-schöpfer dieses Land einzig und unverkennbar ausgezeichnet hat, liegtder Vicrwaldstättersee. Seinen Namen erhielt derselbe von den KantonenUri, Schwyz , Unterwalden und Luzern , welche ehemals die vier Wald-