Buch 
Der jauchzende Bergwald : alte und neue Geschichten / von Meinrad Lienert
Entstehung
Seite
160
JPEG-Download
 

160

Der Milchfälscher.

übelleiden kann man, für ein bißchen Milchkaffeegewäsch,das aussieht, als habe man's bei Hochwasser aus demBach geschöpft. Und alle heiligen Tage ein PfündchenRindfleisch, hart wie Sohlleder, aus dem Dorf. Und derda drüben", machte er halblaut, ingrimmig,der alte geizigeHinterschweigsimmeler watet bis an die Kniee in der Niedel,und seine Speckkammer lacht einem um Martinstag heruman, wie eine Witfrau in der letzten Närrsche,- man hörtsie völlig lachen. Alles gerät ihm in Haus und Stall.Jede Kuh tut ihm gut und gerecht. Es täte mich keinenAugenblick wundern, wenn sein Brunnentrog und seinScheitbock eines Tags auch noch zu kalben anfingen.Sieben Haupt Meh hat er am Barren, lauter Prämien-kühe. Sieben Jungfern können auf dem Kirchweg nichthoffärtiger aufziehen als sie auf die Sommerweide. Undich, was hab ich denn? Zwei weißlachte Schwänze imStall, die immer verwerfen. So muß ich eben das Kalbselber machen. O Herrgottdonnerwetter, unsereins hat'sdoch nicht gut. Jetzt steh einmal still, Alte!" lärmte erseine Kuh an.Oder ich hau dir eins ans Bein, daß dirdie Hörner Fürio pfeifen."

Die Stalltüre ging.

Guten Morgen, Stösfi!"

Ein noch junges Weib stand, einen Kessel in der Hand,in der offenen Türe. An ihr vorbei, zu Häupten undallüberall guckten die Sterne aus dem dämmernden Morgen-himmel in den düstern Stall.

Die beiden Kühe begannen aus Leibeskräften zu brüllen.

Was nimmst mir denn nicht einmal den guten Morgenab, Stöffi?" machte die Frau, und kleinlaut setzte sie bei:Ja, hast aber schon recht, wie konnte ich mich nur so