Buch 
Der jauchzende Bergwald : alte und neue Geschichten / von Meinrad Lienert
Entstehung
Seite
159
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Der Milchfälscher.

Im halbdunkeln, schrverlüftigen Stall kauerte Stöffi, derBrüüschrnoosbauer, aus dem Melkstuhl unter einer Kuhund ließ das ergiebige Doppelbrünnlein in den Eimer zischen.Den blondlachten Krauskopf, an dem die Hirthemdkapuzelässig hing, hatte er an das weißgraue Fell Heiterspiegelsgedrückt. Über seine melkenden Hände und in die auf-quellende Milch huschte immer wieder der Schein der amzerbrochenen Stallsensterchen stehenden Laterne. Die Kuhschnaubte und bärschtete, das Maul halb voll Heu, mitgroßen Augen nach dem Bauer, als wollte sie sagen: Hedu, ich bin auch da! Was hast denn nur heute, daß dumich nie kraulst und kein Wort mit mir redst, wo wiruns doch sonst jeden Morgen so manches zu sagen haben!Irgendwo hinter dem Stall krähte der Hahn. Muuh,muuh! brüllte nun auch die Kuh. Aber der Bauer drückteden Kopf tiefer in ihr Fell und tat keinen Wank. Jetztward Heiterspiegel aber unruhig und schlug ihm denSchwanz um die Kapuze.

He da, gib Ruh, Heiterspiegel, alte Närrin! 's ist mirheut nicht um Lumpereien treiben."

Jetzt brüllte auch die junge rotbraune Jiehkuh, dasRotschöpfchen, nebenan.

Ja, ja", brummte der Bauer,ihr habt gut brüllen,steht allzeit am vollen Barren und wißt nicht, wie unsereinsschwitzen und dämpfen muß, bis der Heustock zu den Gaden-schwemmungen herausschaut und bis der Zins beisammenist. 's ist kein Leben. Vier lebendige Buben und einesauf dem Weg! Was hat denn unsereins auf der Welt?Vom Morgen früh bis abends spät sich abhunden und