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Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
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Märkte, bald gab er die Anregung zu gewerblichen Unternehmungen.Dem allem kam die Beschaffenheit des Bodens und des Charakters desVolkes stark entgegen. Erstere gestattete bloß eine sehr beschränkte natür-liche Bevölkerungszunahme, wenn sich die Bewohner ihre Lebensbedürfnissenicht durch Austausch von Produkten ihres Gewerbefleißes von außenher verschaffen konnten. Das Streben, dies zu ermöglichen, wurzelt nichtzuletzt in der sprichwörtlich gewordenen Heimatsliebe des Schweizers.Das Schweizerland mit seinen eigenartigen Schönheiten übt auf seinenSohn einen unaufhörlichen Reiz aus, der ihn an der Scholle festhält,oder ihn nach kürzerer oder längerer Abwesenheit mit geheimnisvollerGewalt heimwärts zieht.

Darum wurden auch in den Zeiten, da der Söldnerdienst blühte,die Nahrungsquellen friedlicher Gewerbe nie ganz vernachlässigt. Dielandwirtschaftlichen Fehljahre, welche sehr häufig eintrafen und mitschweren: Drucke auf der Bevölkerung lasteten, waren wie dazu gemacht,die Verbindung von Urproduktion und Industrie zu fördern.

Zugleich an Frankreich , Deutschland , Österreich und Italien grenzend,wurde sie schnell mit dem Geschmack und den verschiedenen Bedürfnissender sie umringenden Nationen bekannt. Der Mangel an eigenen See-häfen wurde wenigstens dadurch einigermaßen ausgeglichen, daß ihrinfolge der zentralen Lage diejenigen ihrer Nachbarländer mit gleicherLeichtigkeit erreichbar sind. Sie fand denn auch bei allen Kriegen stetseinen Ausweg für ihre Produkte. Die Kriege selbst bildeten oft für ihreIndustrie neuen Gewinn, während andere Länder ausgesogen wurden.Waren auch äußere und innere Fehden nichts Seltenes, so war sie doch vonverheerenden Kriegen, deren Folgen erst durch jahrhundertelange Arbeitausgeglichen werden konnten, verschont und darf seit der Reformationszeitdie Entwickelung der schweizerischen Industrie als eine stetige und un-unterbrochene bezeichnet werden.

Darum ist auch das Alter derselben ein hohes. Schon im 13. Jahr-hundert war in Zürich die Herstellung wollener Zeuge, die Leinen- undZwillichweberei zu Hause. Gleichzeitig begann sich die Seidenmanufakturzu entwickeln. In Basel wurde die Leinwandfabrikation schon im 12. Jahr-hundert betrieben. Später kam durch vertriebene evangelische Lokarnerdie Seidenbandweberei dazu. Die st. gallische Leinwandindustrie wurzeltmit ihren Anfängen gleichfalls tief im Mittelalter. In den aargauischenGebieten des alten Berns entwickelte sich die bäuerliche Leinwandwebereiim Laufe des 17. Jahrhunderts zur Industrie. Schon um die Mittedes 15. Jahrhunderts werden in Zürich dichte Baumwollgewebe erwähnt.Die Baumwolldrnckerei hat ihre ältesten Anfänge in Genf . 1732 wurde