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Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
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folgenden Jahrzehnt sich vollendete. Damals hatte sie ihre Blütezeit, alssie die Märkte von Britisch- und Holländisch-Jndien, Ostasien und Japan mit ihren Artikeln beherrschte. Da konnte sie den Verlust der Levante ,welche eine Zeit lang für sie eine hervorragende Bedeutung als Abnehmergehabt hatte, leicht verschmerzen. Aber diese neuen Gebiete wurden ihrvon England, Holland und Japan bald streitig gemacht. Zur Verdrängungauf dieser Seite gesellte sich der Verlust der europäischen Länder, derVereinigten Staaten von Nordamerika und der Mittel- und südameri-kanischen Märkte. Darum suchte die Buntweberei in der Pflege desJnlandmarktes einen Ersatz für den Ausfall der Ausfuhr. Allerdingssteht dem gewaltigen Rückgang der Ausfuhr glatter Gewebe eine an-sehnliche Zunahme des Exports feinerer Fabrikate, komplizirter Gewebegegenüber, welcher jedoch gleichfalls abgeschwächt wird durch die fast un-ausgesetzte Entwertung der Produkte. So zeigt namentlich die Plattstich-weberei einen nachhaltigen Aufschwung. Ihre Exportmenge ist von 1300 lpim Werte von 2 ,7 Millionen Franken im Jahre 1889 auf 3226 <1 imWerte von 5, Millionen Franken im Jahre 1899 angewachsen. Dochwollen wir hierüber keine weiteren Worte verlieren und die untenstehendenZahlen reden lassen. Es betrug die Zahl der Webstühle:

Jahr:

mechanische:

Handstühle:

1867

13,086

42,569

1877

22,467

1883

22,750

15,000

Noch schlimmer als die Baumwollspinnerei und -Weberei wurde dieWimmwofldrilckerei vom Wandel der Dinge mitgenommen. Durchfranzösische Glanbenscmigranten im 17. Jahrhundert nach Genf undNenenbnrg verpflanzt, blühte sie glänzend empor. Doch der Ausschlußvom französischen Markt war für sie verhängnisvoll; denn dieser setzteihren Hauptkonkurrenten, die Mühlhauserdruckerei, in die Lage, in seinenDruckartikeln für die europäische Mode tonangebend zu werden. ZumVerlust des französischen Absatzgebietes gesellte sich derjenige des Zoll-vereinsgebiets, indem der Zollverein durch hohe Zölle sein Gebiet fastunzugänglich machte, und als Dritter im Bunde die Konkurrenz Englands,welches mit seinem wohlfeil arbeitenden Rouleauxdruck die großen Massen-artikel an sich zog. Da ging dann eine Druckerei nach der andern ein.Einzig im Kanton Glarus konnte sich dieselbe noch erhalten und aus-dehnen, weil sie sich dort eine ausgedehnte Kundschaft für gedruckte Kopf-und Halstücher in Mittel- und Süditalien zu erhalten wußte und Mitteder dreißiger Jahre einen Spezialartikel, die sog. Türkenkappen, undanfangs der vierziger Jahre einen andern, die sog. Battiks, sich an-