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Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
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Industrie alle Tage mehrere tausend Liter Milch zu Milchchocolade,welche beinahe gänzlich exportirt wird. Die Ausfuhr ist von 13,609 gim Werte von 4,§g Millionen im Jahr 1897 auf 23,481 g und 7,g Millio-nen Franken im Jahr 1899 angewachsen. Mehr als die Hälfte unsererChocoladenaussuhr geht nach Frankreich und England.

Am Schlüsse unseres Überblickes angelangt, ist noch der Wanderungunserer Industrie über die Grenzen unseres Landes mit etlichen Wortenzu gedenken. Dieselbe beruht auf einer doppelten Ursache. Hervor-gegangen ist sie aus dem Mangel an Arbeitskräften, der einzelne kräftigausschreitende Industriezweige Arbeiter im Ausland beschäftigen hieß,woran sich dann im Laufe der Zeit nicht selten die Gründung vonZweiggeschäften oder gar die Verlegung des Hauptgeschäftes über dieGrenze anknüpfte. Befördert wurde dieselbe durch den Unterschied derLebenshaltung und der Lohnausprüche der schweizerischen und der aus-ländischen Arbeiter, sowie durch die Zollverhältnisfe, die Wandlungen desGrenz- und Veredlungsverkehrs w.

Die Schweiz sah diese Wanderungen stets ungern. Wie ein roterFaden zieht sich durch unsere Jndustriegeschichte des 19. Jahrhundertsdie Klage über diese Erscheinung, bald dieses, bald jenes zur Ursachederselben stempelnd, bald durch Änderungen der Zollpolitik, bald durchVerlangsamung des Marschtempos des Arbeiterschutzes Abhülfe verlangend.Aus der reichen Musterkarte derselben greifen wir die folgenden heraus,weil dieselben uns zugleich über die Entwicklung und Intensität dieserWanderung etliche Anhaltspunkte geben.

Eine aus dem Jahr 1837 stammendeBeleuchtung über die Handels-und Zollverhältnisse der schweizerischen Eidgenossenschaft mit dem Auslande"läßt sich hierüber folgendermaßen vernehmen:

Die ausländischen Mautgesetze haben uns schon von langer Zeither tiefe Wunden verursacht, indem sie die Auswanderung unseres Kunst-fleißes und unserer Kapitalien nach den österreichischen, italienischen undfranzösischen Staaten verursachten. Infolge der Reise des KaisersJoseph II. in die Schweiz wurde der Grund gelegt zur Fabrikation derSeidenbande in Wien . Infolge anderer Umstände entstunden die Baum-wollengewerbe im Vorarlbergischen mit unserm Geld. Die großartigenUnternehmungen im benachbarten Elsaß werden mit schweizerischen Kapi-talien unterstützt."

Der im April 1869 zur Ratifikation gelangte schweizerisch -italienischeHandelsvertrag veranlaßte die schon früher eingeleitete Verpflanzung ver-schiedener schweizerischer Industrien nach Italien , einen geradezu bedrohlichen