Buch 
Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
Entstehung
Seite
28
JPEG-Download
 

28

Charakter anzunehmen. Ende der siebziger Jahre gab Nationalrat Feer-Herzog eine Zusammenstellung der in neuerer Zeit in Oberitalien ge-gründeten schweiz . Fabriken. Darnach handelte es sich um 7 Spinnereienmit 108,000 Spindeln und um 10 Webereien mit 2050 Stühlen nebstverschiedenen andern Fabriken. Die Wanderung der Industrie im all-gemeinen zeichnete er in seiner am 11. Juni 1878 im Nationalrategehaltenen Rede in folgender Weise:

Es ist eine höchst eigentümliche Erscheinung, daß seit langer Zeitunsere schweizerischen Fabrikanten, wenn sie im Jnlande nicht prosperiren,ihr reichliches Auskommen finden nicht etwa dadurch, daß sie in dieweite Ferne oder über den Ocean übersiedeln, sondern daß sie einfacheinen Fluß oder einen Berg überschreiten, der sie von dem nachbarlichenStaate trennt. So sehen wir die Industriellen von Basel und vomAargau unmittelbar jenseits des Rheines blühende Geschäfte besitzen, dieunter dem Schutze der wenigen Prozent Differenz, die ihnen der deutscheTarif gewährt, einen Nutzen verschaffen, den der schweizerische Fabrikantzu finden nicht im stände ist. So sehen wir die Industriellen deröstlichen Kantone im Vorarlberg sich niederlassen. Es ist dies eine inhohem Grad bemerkenswerte Erscheinung, ein großer Schaden für dasInland, indem schweizerische Intelligenz, schweizerisches Kapital undArbeitshände dicht an der Grenze, aber aus fremden Boden dem Vater-lande die Frucht ihrer Tätigkeit entziehen."

In dem Bericht an das schweizerische Handelsdepartement über dieletzte Weltausstellung in Paris lassen sich die beiden Mitglieder derinternationalen Jury über Gruppe XIII (Seide und seidene Gewebe) indieser Richtung wie folgt Vernehmen:Wir sind nicht oder nur in sehrbeschränktem Grade für doppelbreite Stühle eingerichtet, an die Stelleunserer Zettelmaschinen von 200 Meter Zettellänge müßten solche von800 Meter treten, und lieber als diese mit vielen Ausgaben verbundenenUmänderungen in der Schweiz vorzunehmen, lassen wir es beim Bis-herigen bewenden und etabliren uns für neue Artikel, seien es «tokkösteintes sn xltzoes, Seidenstoffe, Herrenfntterstoffe, oder andere Spe-cialitäten, in Frankreich , Italien , Deutschland oder in den VereinigtenStaaten, wo wir, mit Ausnahme Amerikas , für den Export mindestensso gut gestellt sind wie in der Schweiz und wo wir noch den bedeutendenVorteil eines großen äöllouellir im eigenen Lande haben."

Diesem unanfechtbaren, für unsere schweizerische Volkswirtschaft abersehr verhängnisvollen Raisonnement ist es zuzuschreiben, daß die vonSchweizer Seidenstoffwebereien im Auslande gegründeten Zweignieder-lassungen sich in den letzten Jahren in rapider Weise vermehrt haben.