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Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
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Zukunft entgegen, wie bisher im Westen der Stadt die SundgauischenGrenzorte St. Ludwig und Hüningen ."

In diesen letzteren nimmt übrigens die Kolonisation unsererIndustrien gleichfalls ihren weiteren Fortgang. Während sich inSt. Ludwig neben den vier großen Basler Bandfabriken immer zahl-reichere Handelsfirmen zur Exploitation des schweizerischen Marktesvermittelst Ersparnissen an Taraverzollnng bei der Einfuhr in dieSchweiz auftun, hat in Hüningen neuerdings die Zürcher Seidenstosf- Weberei Fuß gefaßt, vorerst mit zwei großen Betrieben. Und gegenüberauf der Schusterinsel, gleichfalls auf deutschem Boden, ist eine zweiteSeidenfärberei entstanden, als Filiale des größten bezüglichen BaslerHauses."

Diese Beispiele könnten leicht durch eine große Zahl anderer ausallen Branchen und nicht bloß aus den Grenzländern, sondern auch ausRußland und den Vereinigten Staaten vermehrt werden, obschon leidereine zusammenfassende Darstellung der Wanderung unserer Industrieüber die Landesgrenzen nicht existirt und eine Preisaufgabe der philo-sophischen Fakultät der Universität Basel , welche dieses Thema behandelnsollte, ungelöst blieb. Doch beschränken wir uns auf die Angeführten.Dieselben dürften zum Beweise dafür genügen, daß diese Wanderungder Industrie eine hochwichtige Erscheinung ist.

Abgesehen von allen andern Einwirkungen auf das Wirtschaftslebenunseres Landes hat diese Wanderung unserer Industrie auch noch dieFolge, daß durch sie der Schweiz der Abschluß von Zollverträgen er-schwert und da und dort eine Verbitterung hervorgerufen wird, die nichtganz unbegründet erscheint. Als Muster hiefür führen wir wiederumbloß einzelne sprechende Fälle vor.

Das Königreich beider Sizilien belegte einem in kisciinionts nieder-gelassenen schweizerischen Industriellen zulieb den großen St. Gatter-Artikel iUouelioirs LnInLorss mit einem Einfuhrverbot.

Bei den Vertragsverhandlungen der Schweiz mit Österreich-Ungarn Ende der sechziger Jahre strebte dieselbe nach einer gegenseitigen ziemlichunbeschränkten Freigabe des Veredlungsverkehrs. Dagegen setzten sichjedoch namentlich im Vorarlberg niedergelassene schweizerische Fabrikantenzur Wehr, ähnlich wie später bei Verhandlungen mit Italien in derLombardei und im Piemont niedergelassene Schweizer Herabsetzungenitalienischer Zölle zu Gunsten ihres Heimatlandes bekämpft haben.