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2. Die Entwickelung des schweizerischen Gewerbes.
Der Einfluß der gezeichneten Entwickelung des industriellen Groß-betriebs auf das Kairdrverk oder das sog. Keweröe ist der allgemeinübliche. Doch ist der Aufsaugungsprozeß des Kleingewerbes bei unsnicht so fortgeschritten wie in andern Ländern, weil der Großproduktionder Massenabsatz im Jnlande fehlen würde, weil ein Teil Unserer technischund kommerziell wohlorganisirten Großindustrie seine Produkte vorwiegendim Ausland absetzt und der übrige Teil doch nicht in alle Arbeitsgebietedes Gewerbes einzudringen vermag.
Trotzdem ist selbst nach dem Urteil des schweizerischen Gewerbevereinsdas Handwerk vollständig oder zum größten Teil durch den Großbetriebverdrängt in: den Textilgewerben, der Bierbrauerei, der Teigwaren-fabrikation, der Seifensiederei, der Filz- und Strohhutfabrikation (dieHandwerker beschäftigen sich bloß mit Zurichten, Handel und Reparaturen),der Knopffabrikation, bei den Zeugschmieden, Gold- und Silberschmieden(nur Reparaturen und Handel), Kesselschmieden (Dampfkesselfabrikation),der Fabrikation von Parquetten und Holzcement, der Uhrenmacherei(nur Reparaturen und Handel), der Fabrikation von Klavieren, vonMetallwaren, Thür- und Fensterbeschlägen und Schlössern, von Ge-schäftsbüchern und Tapeten.
In einer andern Gruppe von Gewerbezweigen ist der Kvnkurrenz-kampf zwischen Groß- und Kleinbetrieb in steter Zunahme begriffen undzwar in der Herren- und Damenkleiderkonfektion (die Schneiderei nachMaß dürfte in die III. Klasse gehören), Herstellung von Uniformen(eignet sich mehr für Hausindustrie als Fabrikbetrieb), Herstellung künst-licher Blumen (im Inland nur Handel und Montage), von Mützen,Handschuhen, Korsetts (Kleinbetrieb konkurrenzfähig), Posamenterie, Ger-berei, Schuhmacherei, Banschreinerei, Glaserei, Möbelfabrikation, Holz-schnitzerei, Drechslerei, Küferei, Korbslechterei, Töpferei, Steinhauerei,Schlosserei, Spenglcrei, in einzelnen Spezialitäten der Konditorei (z.B.Bonbons, Confitüren, Chocoladen), Kachelofen- und Cementwarenfabrikation(Kleinbetrieb konkurrenzfähig), im Wagenbau, Reiseartikeln, chirurgischenInstrumenten, Blechmusikinstrumenten, Blattmacherei, Werkzeugmaschinen,landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten, im Mühlenbau, in der Optik,Fabrikation von Bürsten, Seilerwaren, Färberei, Buchdruckerei, Litho-graphie und Kartographie, Kartonnagenfabrikation, Glasmalerei.
Dagegen herrscht der handwerksmäßige Betrieb noch vor und istkonkurrenzfähig bei den Bäckern, Metzgern, Sattlern, Turmuhrmachern,