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Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
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Inillkurs, während die Schneider von Beruf zum größten Teil Hülfs-arbeiter derselben wurden. Trotzdem machte der Großbetrieb nicht sorasche Fortschritte, wie vielfach erwartet wurde. So waren im Jahr 1888dem Fabrikgesetz erst 5 Kleiderfabrikationsgeschäftc mit 312 Arbeiternund 1895 ihrer 04 mit 1080 Arbeitern unterstellt. Dazu wurden schonMitte der achtziger Jahre die Zahl der für Maß- und Konfektions-geschäfte arbeitenden Meister, Gesellen, Lehrlinge rc. auf 14,000 geschätztund dürste sich dieselbe in der Zwischenzeit noch bedeutend vermehrthaben. Diese verhältnismäßig langsame Entwickelung rührt hauptsächlichvon der Konkurrenz des Auslandes her. Trotz der Zollerhöhung anfangsder neunziger Jahre zeigt die Einfuhr nach einem kurzen Stillstandwieder steigende Ziffern. Die ganze Einfuhr an Konfektion überhauptbetrug im Jahr 1900 29,021 Millionen Franken oder ca. 15"/g desentsprechenden Gesamtkonsums.

Trotz der geschilderten Entwickelung hält das schweizerische Gewerbe-sekretariat an seiner Ansicht fest, daß die Zunahme der Kleinbetriebe imallgemeinen und im Verhältnis zur Gesamtvermehrnng der Bevölkerungauch bei uns außer Frage stehe, wenn auch die durch die Zeitverhältnissebedingten Umwälzungen ein Auf- und Niedergehen in steter Wechsel-wirkung zeigen. Mangels offizieller Zahlen hält dasselbe dafür, daßgegenwärtig etwa der dritte Teil unserer Bevölkerung durch die gewerb-lichen Betriebe seinen Lebensunterhalt erwerbe, was wir bessere Be-weise vorbehalten vorderhand nicht glauben. Dagegen sind wir damiteinverstanden, daß die Gewerbe die Erzeugnisse einer größer» Zahl in-ländischer Großindustrien und wertvolle inländische Rohstoffe verarbeiten,sowie daß durch die deccntralisirte Gewerbstätigkeit alle Landesteile Nutzenziehen. Auch geben wir ohne weiteres zu, daß es heute noch Handwerks-zweige mit wirklich goldenem Boden gibt. Aber die Zahl derselben istsehr beschränkt und die häufigen und lauten Klagen des Gewerbestandesüber mancherlei Erschwerungen seiner Existenz scheinen mir größtenteilssehr berechtigt zu sein.

3. Die Entwickelung der schweizerischen Landwirtschaft.

Hand in Hand mit der gezeichneten industriellen Entwickelung unseresLandes vollzog sich teilweise in nrsäglichem Zusammenhang, teilweise alsFolgeerscheinung ein großartiger Umwandlnngsprozeß unserer Landwirt-schaft. Die industrielle Entwickelung wirkte teilweise befruchtend auf die