Buch 
Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
Entstehung
Seite
38
JPEG-Download
 

38

Bis Mitte der achtziger Jahre zeigte der Käseexport einen erfreulichenund ziemlich konstanten Aufschwung. Seither sind die Ausfuhrziffern ge-wichen, um sich erst wieder in den letzten Jahren etwas zu erholen.Dafür zeigt der Jnlandkonsum etwelche Steigerung. Derselbe brauchtheute über 55o/ der Produktion an Hartkäse. Doch ist an der auf denKopf der Bevölkerung entfallenden Konsumziffer von rund 11 dieausländische Zufuhr schon Mitte der neunziger Jahre mit 5 °/ beteiligtgewesen.

Die Butterbereitung schlug gegenüber der Käseproduktion den Krebs-gang ein. Der Export, welcher in den vierziger Jahren noch einenWert von rund 1 Million Franken repräsentirte, ging 10 Jahre späterauf die Hälfte zurück. Mitte der achtziger Jahre belief sich derselbe auf7000 im Werte von 2 Millionen Franken. Im Jahre 1900 bezifferteer sich bloß noch auf 260,000 Fr. An diesem Rückgang des Exportsänderte die Verbesserung der Butterfabrikation durch Einführung derCentrifugen rc. nicht viel, trotzdem unsere feine Tafelbutter sich einigeZeit lang neues Terrain zu erobern wußte.

Im letzten Jahrzent ist denn auch der Winterexport feiner Tafel-butter nach Paris scharf zurückgegangen. Seit 1893 hat er der durchden französischen Maximalzoll geschützten Konkurrenz der Normandie rc.weichen müssen. Der Rückgang hat sich auch seit dem Erlöschen desZollkrieges fortgesetzt. Darüber wird sich niemand wundern angesichtsder hohen Unkosten, welche sich dem Export der Butter nach Paris ent-gegenstellen. Dieselben betrugen im Winter 1898/99 per 100 69 Fr.

einschließlich dem 20 Fr. betragenden Eingangszoll und der PariserOclroi im Betrag von 14,, Fr. Angesichts dieser hohen Unkosten undunserer relativ hohen Milchpreise ist es leicht erklärlich, daß der schwei-zerische Butterexport immer mehr zurück geht und gegenwärtig im Ver-hältnis zum schweizerischen Gesamtexport an Milchprodukten kaum mehrin Betracht fällt. Am Rückgang des schweizerischen Butterexports nachParis ist im übrigen auch der Umstand schuld, daß die Preisdifferenzenzwischen den verschiedenen Qualitätsklasfen auf dem Parisermarkt nichtmehr so hohe sind wie früher. Die Qualität der Centrifugenbutter ver-schiedener Provenienz ist einheitlicher und besser geworden und es istuns in den letzten Jahren nicht mehr möglich gewesen, so hohe Überpreisefür Extraqualität zu erzielen wie früher.

Aber die Schweiz ist auch schon lange nicht mehr im stände, ihrenBedarf an Butter selber zu decken. Gemäß ihrem Grundsatz, ihre Kräfteunbekümmert um jede andere Rücksicht lediglich auf solche Gebiete zu-sammenzudrängen, in welchen die äußere Natur ihr unterstützend die