Buch 
Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
Entstehung
Seite
49
JPEG-Download
 

zur Industrie, welche von den Herbergsverhältnissen früherer Zeitenebenso verschieden ist, wie der Handwebstuhl im Gaden des Bauern-hauses von einer mechanischen Weberei und für die Volkswirtschaft unseresLandes eine sehr hohe Bedeutung hat.

Diese zeigt sich einmal an der Zahl der dem Fremdenverkehrdienenden Hotels, welche von 1,002 mit 58,157 Betten im Jahre 1880auf 1896 mit 104,876 Betten im Jahre 1899 angewachsen ist. Standen1880 aus 1000 Einwohner schon 20, zg Fremdenbetten zur Verfügung,so traf es 20 Jahre später 31, Fremdenbetten aus diese Einwohnerzahl.Noch deutlicher zeigt sich die Bedeutung der Fremdenindustrie an demin diesen Fremdenhötels investirten Kapital, welches von 319500,000 Fr.im Jahre 1880 auf 550-480,000 Fr. im Jahre 1894 anwuchs, wovon420-868,000 Fr. auf Immobilien, 115-612,000 Fr. auf Mobilieu und14 000,000 Fr. auf Vorräte entfielen. In diesen Hötels stiegen imJahre 1899 zwischen drei- und vierhnnderttausend Fremde ab mit zu-sammen 9-763,000 Logiertagen. Zu ihrer Bedienung war ein Personalvon 27,700 Köpfen mit einem jährlichen Salär von 19-254,700 Fr.nötig.

Die Gesamtbruttoeinnahmen der 1002 Fremdenhötels des Jahres1880 wurden auf 52-800,000 Fr oder kaum 17°/g des Anlagekapitalsgeschätzt. Ist dieses Verhältnis zwischen Bruttoeinnahmen und Anlage-kapital ungefähr gleich geblieben, so müßte die letztere im Jahre 1899den Betrag von 93-581,600 Fr. erreicht haben. In Wirklichkeit ist die-selbe aber viel höher. Schon für das Jahr 1894 wurde die Brutto-einnahme unserer Fremdenhotels auf 114-333,744 Fr. berechnet, welchereine Ausgabe von 82-828,269 Fr. gegenübersteht, so daß sich ein Ein-nahmeüberschuß von 31-505,475 Fr. ergibt.

Rechnet man zu diesem eher zu gering als zu hoch geschätzten Betragnoch die übrigen Ausgaben der Vergnügungsreisenden, so bekommt manungefähr einen Begriff von den materiellen Interessen, welche sich inder Schweiz an den Reisendenverkehr heften. Doch darf nicht vergessenwerden, daß aus diesem Heere von Reisenden die Schweizer auszu-scheiden sind. Innerhalb der letzten Jahrzehnte ist die Reiselust auchin unserem Volke mächtig gestiegen. Bis zu den ökonomisch schwachsituirten Schichten hinab macht sich ein stetig wachsender Zug geltend,die Schönheiten unseres Landes mit eigenen Augen zu schauen. Werallein nie hiezu käme, der zieht vielleicht mit einem Vereine hinaus,um mit seinen Vereins- oder Altersgenossen einen Teil des Vater-landes kennen zu lernen. Die Gewohnheit, Ferien und Kuren zu

E- Hofmann, Tie Schweiz als Industriestaat.

4