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Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
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und sah sie fast überall in Verbindung mit einem landwirtschaftlichenGewerbe.

Innerhalb der nächsten zwanzig Jahre nahm die Zahl der inHandwerk und Industrie Beschäftigten ungefähr um das dreifache zu.Schon 1870 waren von 100 Personen bekannten Berufs 41,7 »iit derVeredlung der Natur und Arbeitserzengnisse beschäftigt. Im Jahre 1888betrug dieses Verhältnis schon 43,g"/«- Während die Zahl der Tätigenbei der BerufsklasseGewinnung der Naturerzeugnisse" zwischen 1870und 1888 um 6,z"/oo abgenommen hat, vermehrte sich diejenige bei derKlasse derVeredlung der Natur und der Arbeitserzeugnisse" um 3,^°/oo-

Seit Anfang der fünfziger Jahre hat sich die Zahl der in Industrieund Handwerk Tätigen ungefähr verdoppelt.

Der Händel' nahm im Verhältnis zu andern Ländern in derSchweiz schon ziemlich frühzeitig ?ine hohe Prozentzifser ein. Die un-begrenzte Freiheit der Konkurrenz machte schon zu Franscinis Zeitendie Schweiz zu einer Art von mittelländischem Seehafen, gewissermaßenzu einem unermeßlichen Freihafen, der sich von den Ufern des Leman-sees und Jura bis zum Bodensee , von dem innMiors bis zum

Rhein erstreckt.

Ihren Zwischenhandel unterschied eine eidgenössische Experten-kommission im Jahre 1834 in drei Kategorien. Den Zwischenhandelmit Rohstoffen für Fabriken; den Handel mit Kolonial und andernWaren, die von einem Kanton in den andern und znm Teil auch insAusland gehen und den Handel, der darin besteht, daß die Fremden,welche Waren ins Ausland schicken, sie gerne in die Schweiz spediren,um in diesem Lande einen etwaigen Absatz zu versuchen. In veränderterWeise gilt das Letztere heute noch, indem unser Land vielfach den Marktbildet, wo Interessenten aus verschiedenen Ländern zusammentreffen, umihre überschüssigen Waren an den Mann zu bringen.

Büßte auch der Transithandel im zweiten Viertel des vorigenJahrhunderts durch die Vervollkommnung und Wohlfeilheit der Trans-portmittel in unsern Nachbarstaaten sehr viel ein, so erholte er sichnachher wieder um so kräftiger. Schon im Jahr 1888 war der Handelmit 7,o o/o der in einem Berufe Tätigen vertreten. Dies rührt nebenden bereits erwähnten Gründen auch davon her, daß die Gasthöfe undWirtschaften in der Schweiz wegen des starken Fremdenverkehrs undder sehr zerstreut liegenden Wohnungen zahlreicher sind, als in denmeisten übrigen Ländern. Die Gastwirtschaft zählte allein 30,061 Er-werbende mit 5,709 Haushalts-Dienstboten und 27,629 Angehörigen.Nach einer Statistik des schweizerischen Hoteliervereins für das Jahr