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Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
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Seite
77
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sichern Schlüsse zu ziehen sind. Einerseits hat die bundesrätliche Praxisden Geltungsbereich des Gesetzes immer weiter ausgedehnt und wurdedie Einbeziehung unter dasselbe immer schärfer und genauer gehandhabt,so daß die Vermehrung der Zahl der unterstellten Etablissements zumTeil hierauf und nicht auf ein Wachstum des Fabrikbetriebes zurück-zuführen ist. Und anderseits ist die Grenzlinie hinsichtlich der Arbeiter-zahl doch so weit nach unten gezogen, daß man nicht ohne weiteres diedem Fabrikgesetz unterstellten Etablissements als Großbetriebe den davonnicht berührten als Kleinbetriebe gegenüberstellen darf. Knüpft sich jahieran eine zu Zeiten ziemlich lebhafte Streitfrage.

Die Vertreter des Gewerbestandes möchten diese Grenze, welchedurch den bekannten Bundesratsbeschluß vom 3. Juni 1891 etwas herab-gesetzt wurde, erhöhen. Ihrer Ansicht nach ist der Bundesrat mit derHerabsetzung der Minimalzahl der Arbeiter auf 11 für die Unterstellungunter das Fabrikgesetz dem „Kleingewerbe" zu nahe getreten, währendnach dem Sprachgebrauch und den durch Berufszählung und Fabrik-statistik ermittelten Tatsachen die Grenze des Kleingewerbes viel mehrbei der Zahl von 5 Arbeitern als bei der von 10 Arbeitern zu suchen ist.

Glücklicherweise treten etliche Privatarbeiten in diese Lücke, dieselbewenigstens einigermaßen befriedigend ausfüllend. Die eine stammt vonDr. H. Wegmann, Adjunkt des eidgenössischen Fabrikinspektors desI. Kreises, und ist betitelt „Die Groß- und Kleinbetriebe der schweize-rischen Fabrikindustrie 1888". Die andere ist der „Bericht des schwei-zerischen Arbeitersekretariats über die Anwendung des eidgenössischenFabrikgesetzes".

Daraus ergibt sich, daß 1888 nicht weniger als 30,g°/o aller demFabrikgesetz unterstellten Etablissemente nicht einmal je 10 Arbeiter be-schäftigen und daß nur 0,g"/o derselben zu den größten mit über 000 unddurchschnittlich 720 Arbeitern gehören. In ganz regelmäßiger Reihen-folge nimmt die Zahl der Etablissemente von Klasse zu Klasse nachobenhin ab, so daß 58°/o zu den kleinen und kleinsten Betrieben zählen.

Ist also die Industrie als solche dezentralisirt, so ist bei der Arbeiter-schaft das Gegenteil der Fall. Wie die Zahl der Etablissemente mitsteigenden Klassen eine fallende, bildet diejenige der darin beschäftigtenArbeiter eine steigende Reihe, die ihren Kulminationspunkt in der Klassemit 201—500 Arbeitern erreicht, wo 23„ ^ aller Arbeiter in nur 3,§ "/„sämtlicher Etablissemente tätig sind. Reichlich der dritte Teil derselbenfindet in den 4°/g großer und größter Geschäfte Arbeit. Mehr alseinen wettern Drittel sehen wir in den mittlern Gruppen mit 50—200