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früher erwähnt worden. Den mit Deutschland und Österreich auf12 Jahre vereinbarten Tarifverträgen folgte der mit Italien , Spanien ,Norwegen und endlich derjenige mit Frankreich , welcher leider durcheinen Zollkrieg errungen werden mußte.
Die Aufzählung der Vorgänge auf dem Gebiete der Handelspolitikerzählt nichts von den Kämpfen, welche wenigstens einem Teil derselbenin unserm Lande selber vorangingen. Dieselben waren mitunter so heißund heftig und wurden mit einen: solchen Aufwand von Kraft undEnergie geführt, daß wenigstens den Hauptbeteiligten an dieser Stellekürz Erwähnung gebührt.
Gewiß spielten in diesem Konzert Industrie und Handel lange Zeitunbestritten die erste Violine. Doch waren schon bei der Bewegung dervierziger Jahre die Handwerker und Gewerbetreibenden von bedeutendemEinfluß gewesen. Sie hatten damals einen großen Verein gegründet,ein eigenes Blatt besessen und in Wort und Schrift energisch für dieBeobachtung einer wohlverstandenen Reziprozität dem Ausland gegen-über plädirt. Mit dem allmählichen Zerfallen des Verbandes und demEinschlummern der lokalen Sektionen traten die Handwerker still auf dieSeite, wenn von Handelsverträgen und Zöllen die Rede war. Diesdauerte von 1855—1878. Dann erschien wiederum der schweizerischeGewerbeverein auf den: Plan, eine Politik mäßiger Schutzzölle begehrend.Seit 1885 besitzt dieser Verein ein ständiges Sekretariat, welches emsigbestrebt ist, die Interessen des Gewerbestandes bei den Fragen des Zoll-tarifs und der Handelsverträge zum Ausdruck und zur Geltung zubriugeu.
Die landwirtschaftlichen Kreise waren bis zum Jahr 1885 beinaheohne jeden Einfluß auf den Zolltarif und seine Entwickelung geblieben.Wohl waren gelegentlich von Landwirten an Versammlungen höhereZölle für Getreide und Vieh verlangt worden, doch blieben diese An-regungen nur von lokaler Bedeutung. Wohl hatte der, Ende der sechzigerJahre mit Deutschland abgeschlossene Vertrag die landwirtschaftlichenGegenden der nordöstlichen Schweiz nicht befriedigt; aber derselbe wurdevon der Bundesversammlung genehmigt entgegen einem Antrag, welcherneue Unterhandlungen zum Zwecke weiterer Ermäßigungen der deutschen Einfuhrzölle namentlich auf geistige Getränke, Rindvieh, Käse und Butterpostulirte. Wohl hörte man nicht selten den Vorwurf, daß bei Vertrags-unterhandlungen Vorteile für die Industrie auf Kosten der Landwirtschafterzielt worden seien, aber im großen und ganzen herrschte doch die An-sicht, daß die Landwirtschaft durch Zölle nicht geschützt werden könne und