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Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
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Überproduktion des Auslandes. Das Begehren der Landwirtschaft warin erster Linie auf die Erlangung möglichst niedriger Käsezölle vomAusland sowie auf schweizerische Viehzölle gerichtet, um einen teilweisenÜbergang von der Milchwirtschaft zu größerer Fleischproduktion zu be-fördern. Wo Lei diesen verschiedenen Bestrebungen über's Ziel hinaus-geschossen wurde, hat die Entwickelung der Dinge Remedur geschaffenund mußte dabei mancher erfahren, daß nicht jedesmal der am bestenwegkommt, der am meisten verlangt. Der Einfluß dieser Interessen-gruppen auf unsere Handelspolitik im allgemeinen ist bereits gekennzeichnetworden. Im neuen Entwurf eines schweizerischen Zolltarifs, wie ervom Bundesrat am 6. Februar u. o. beschlossen wurde, tritt derselbenoch deutlicher hervor, wie dies bei den Erfahrungen der Schweiz undden Vorarbeiten zu diesem Entwurf nicht anders möglich war. Die Er-füllung der Wünsche und Hoffnungen der drei Hauptgruppen mit Bezugauf die Gestaltung der Zollsätze soll im folgenden noch kurz geschildertwerden.

Die Landwirtschaft betonte in den letzten Jahren, daß ihr vonallen durch sie verlangten Schutzzöllen diejenigen auf Mastvieh und Fleischdie wichtigsten seien, indem dadurch die Fleischproduktion gefördert werdenkönne. Der Bundesrat pflichtet in seiner Botschaft betreffend die Revisiondes Zolltarifgesetzes vom 12. II. u. o. dieser Ansicht wenigstens mit Be-zug auf die Schweinemast ziemlich vollständig bei, indem er es fürmöglich hält, die Einfuhr (67,216 Stück im Gewicht von über 60durch die inländische Produktion zu ersetzen. Dagegen hegt er Bedenken,mit Beziehung auf eine wesentliche Ausdehnung der Rindviehmast underhöht darum den Zoll auf Ochsen und Kälber nicht derart, daß daraussich nach seiner Ansicht eine Fleischverteuerung notwendig ergeben muß.Bei dieser Erhöhung leiten ihn andere Gründe, weshalb auch der Zollauf frisches Fleisch nur soweit erhöht wird, um ungefähr mit dem fürOchsen Vorgeschlagenen in Einklang zu stehen.

Anders verhält es sich mit den Zollerhöhungen aus Zug- und Nutz-vieh. Dieselben verfolgen den Schutz der inländischen Produktion nachzwei Seiten hin, indem sie durch das Mittel der Zölle auch darauf hin-zuwirken suchen, daß unser Viehschlag nicht durch die Einfuhr geringwertigerTiere verschlechtert werde.

Ferner kommt der Zolltarifentwurf der Landwirtschaft durch dieVerdoppelung des Zolles auf frische Butter und eine Mehrbelastung derübrigen Speisefette entgegen und sucht durch Erhöhung der Zollansätzefür Obstin anderer Packung" und für Dörrobst die Tendenz einer