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Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
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Zwar verlangt auch heute noch die Uhrenindustrie keinerlei Schutzund verharrt die Seidenweberei aus ihrem alten Standpunkt, der vonjeher jeden Zollschutz ablehnte. Aber die Maschineuindnstrie verlangtbereits, daß ihr angesichts der Vorbereitungen des Auslandes zu neuengroßen Erschwerungen ihres Exports für alle Fälle das inländische Ab-satzgebiet etwas mehr gesichert werde. Ist sie auch ihrem vorwiegendenCharakter als Exportindustrie entsprechend den sreihändlerischen Tradi-tionen treu geblieben, so war sie doch einig im Fordern von Zoll-erhöhungen für fertige Waren und Maschinen. Die Forderungen derSpinnerei, Zwirnerei und Weberei schienen dein Bundesrat zu stark imWiderspruch zu stehen mit den Interessen der Färberei, Druckerei undStickerei, die als Exportindustrien einen Teil der nötigen Garne vomAusland beziehen müssen, weshalb keine neue durchgreifende Änderungder streitigen Garn- und Gewerbezölle vorgeschlagen wird.

Zur Illustration des Wechsels der Anschauungen und des Entgegen-kommens gegenüber schutzzöllnerischen Postulaten mag die folgende Zu-sammenstellung dienen:

Tarif von

Tarif von

Entwurf von

1884

1887

1902

für 100 kx:

für 100 kz-:

für 100

Fr.

Fr.

Fr-

Lederwaren aller Art ....

40

70

120

Grobe Schnhwaren aus Leder

35

50j

40200

70

100s

Baumwollgewebe, gebleicht, gefärbt bedruckt . . .

^ 25

35

4560

Wollgcwebc, bedruckt.

Kleidungsstücke:

40

70

4120

aus Baumwolle und Leinen .

40

70

150-200

Wolle und Halbwolle . .

80

120

300

Halbseide und Seide . .

100

200

400-500

Hüte.

100

150 -200

200-300

Maschinen und mechanische Geräte

250

Fahrzeuge.

2-150

Unsere Schilderung der

Handelspolitik

der Schweiz

wäre unvoll-

ständig ohne Erwähnung des zeitweise stärksten Momentes derselben,nämlich der finanziellen Lage des Bundes. Die Einnahmen zu mehrenund den Desiziten zu wehren, mußte die Schweiz zu Zollerhöhungensuccessive gedrängt werden. Schon Lei der durch Einführung eines ein-heitlichen Münzsystems nötig gewordenen Revision des Zollgesetzes wurdeganz bescheiden dem Umstand Rechnung getragen, daß der kräftig sichentwickelnde Bundesstaat schon etwas mehr Geld nötig hatte. Seither