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Landwirthschaftliches Lesebuch für die Schweizerische Jugend / von Dr. Friedrich v. Tschudi
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der Kulturgewächse in Europa . Sie steigen weit über die obereGrenze der hochstämmigen Nadelhölzer in der nördlichen Schweiz . Nurdie zähen Lerchen und Arven des rhätischen Gebirges reichen noch höherhinan und zwar an einzelnen Punkten bis über die obere Grenze derAlpenregion.

Was nun über dieser liegt, von 700014,000' ü. M., rechnenwir zur Schnee region, weil sie entweder das ganze Jahr oder dochden weit größten Theil desselben mit Schnee bedeckt ist. Ein dürftigerPflanzenwuchs von niedern Gewächsen, Moosen, Flechten hat sich stellen-weise bis au 10,000' hoch angesiedelt: aber nur an wenigen Orten nutztder Mensch diese Pflanzeneilände noch mittelst seiner Schafheerden aus,öfter bleiben sie in ungeschmälertem Besitze der Gemsen und Murmelthiere,der Stein- und Schneehühner. Und doch ist auch diese Region für dieLandwirthschaft von hohem Werthe, denn die mächtigen Firn-, Gletscher-und Schneereviere jenes einsamen Hochlandes, das in majestätischer Prachtüber den Kulturgebieten der Menschen thront, sind die Wiege der Flüsseund Ströme, welche diese bewässern, und befruchten und kühlen die heißenSüdwinde, welche versengend von Mittag her wehen.

Das ist nun der Boden und das Arbeitsfeld des schweizerischenLandwirthes. Es liegt kein großer Raum zwischen den Oelbäumen undLorbeerbüschcn an den Gestaden des Luganersees und dem obersten,zwischen Alpenrosen gebetteten Gerstenselde im engadiner Hochgebirge, unddoch birgt er beinahe die ganze Stufenleiter der europäischen Kultur-gewächse und gewährt damit ein Bild der mannigfaltigsten landwirth-schaftlichen Thätigkeit und der höchsten menschlichen Anstrengung, um derMuttererde den Bedarf des Lebens abzuringen.

3. Die Landwirthschaft der Ureinwohner desSchweizerlandes.

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Gewöhnlich denkt man sich, daß die ältesten Einwohner unsersLandes, von denen uns keine geschichtlichen Nachrichten überliefert sind,nur von Jagd und Fischfang gelebt und, ähnlich den Wilden Amerika's,in den unabsehbaren Waldungen, welche damals noch die Niederungenbedeckten, gehaust haben. Allein die Entdeckungen, welche in neuererZeit gemacht worden sind, zeigen uns, daß schon das älteste Volk, welchesin unserm Lande nachgewiesen werden kann, feste Wohnsitze gehabt unddas Land angebaut hat. Es mußte daher schon einen gewissen Gradder Kultur erreicht haben, als es, wahrscheinlich'aus dem Morgenlande,in unsere Gegenden einwanderte. Dieß geht aus den Ueberresten derNiederlassungen jenes Volkes hervor, welche zuerst bei Meilen am