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Des hl. Gallus Zelle an der Steinach im Jahre 614 / von Dr. Anton Henne
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In einem der Häuser waren bei der Kienlampe zwei Personenwach, ein Knabe und die eben genannte Singende. Sie hatten sichdraußen des schönen Abends gefreut und besonders der Sambutis-Bergkette, welche in der Abendsonne wie glühende Lava ausgesehen.Mumma, begann der Kleine (er nannte sie so, obgleich sie nicht seineMutter war), sobald sie gesungen hatte, ein Gespräch fortsetzend,welches vom Liede war unterbrochen worden, Mumma, weißt du, wasmir bei den Sagen von den Zwerglein, welche mir Dulla*) erzählt,am wehesten thut? Und was, Kind? Daß sie so arm undnackt sind und frieren, und wenn die Menschen dafür, daß sie ihnenso viel Gutes thun im Arbeiten, in Krankheit und Noth, ihnen einKleidchen hinlegen, das so übel nebmen und auf und davon sind,daß man keine mehr sieht. Die Dulla hätte klüger gethan, dirAnderes und Besseres zu erzählen, als von ihren Zwergen und Riesenund Drachen. Ist es nicht besser, wenn man Anderen hilft odersonst Gutes thut, ohne Lohn zu erwarten oder anzunehmen?Mumma, du hast recht, das weiß ich längst von dir und sehe immer,daß du's thust, wenn irgendwo Kranke oder Arme sind. Aber daßdie Kleinen erzürnt werden, wenn man es gut mit ihnen meint, undwissen doch unsere Gedanken, das schmerzt mich und kann es garnicht fasten von ihnen. Ich werde auch nicht ruhen im Waldeoben und bis hinunter an die Sitteren, bis ich welche von ihnenfinde. Kann sein, daß sie nicht weit weg gewandert find. Daslaß du bleiben, närrisch Kind, du wirst vergebens suchen. Warum,iniu mummn? Weil keine irgendwo sind noch je gewesen.Das ist dir nicht ernst, Mumma, rief der Kleine mit offenem Mundeund wie verletzt. Aber sie fuhr unerbittlich fort: stehst du nicht,wenn wir Nachts draußen sind, tausend kleine Wesen am Himmelwandern und ihre Reigen schlingen? Zeigt ihr Gang uns nicht dieStunden der Nacht, ihr Auf- und Niedergehen die Jahreszeiten anund was im Felds zu thun ist? Haben sie nicht strahlende Augen undgoldene Locken und tragen goldene Lanzen und Bogen? Sie helfenNachts das Vieh hüten, schützen die Saat oder verderben sie, wennsie zornig sind, senden Gedeihen oder Krankheit und geben Rath undThat dem, der sie zu fragen weiß. Ei, Mumma, und jetzt merkeich auch, warum sie nackt und bloß sind und keine Kleider brauchenkönnen. Gelt? und warum sie doch in ihren Feuerlocken rotheSpitzmützchen und Mäntelchen tragen, Kind, nicht wahr? Ja, und

') Ursula.