11. Hagano in Vrrhsst.
Auf der Burg in Buchhorn war, trotz der schön vertäfeltenund künstlich geschnitzten Zimmer und der morgenländischen Vorhänge,wenig Freude und Liebe. Es war eben zwischen dem Herzoge undseiner Gattinn abermal zu einer heftigen Szene gekommen. Eufemiasaß mit verweinten Augen in der Fenstervertiefung an einer Arbeit,die sie jedoch oft mit den Händen wieder in den Schoß sinken ließ,und Kunzo gieng mit großen Schritten durch die Stube, auf derenBoden die Sonne die Malerei des Fensters hinwarf, die Fahne derMerowinger . — Endlich nahm Eufemia das Wort wieder: Wenn derarme Junge nicht wieder zurückkehrt, nun ist es bereits 14 Tage,wer hat ihn in's Unglück geschickt als du? — Hier brannte Kunzoauf: Ich? er war sein Lebenlang so glücklich, dein besonderer Günst-ling zu sein. Du schienst es wenig zu achten, daß ich ihn, als wäreer ein Kind des Hauses, behandelte und weit über seinen Stand er-ziehen ließ. — Weil ich, verzeih' mir, nie überzeugt war, noch heutebin, daß diese Erziehung weit über seinen Stand ist. Du weißt überdiesen Punkt wahrscheinlich mehr, hast aber, mir gegenüber, von jehervollkommenes Dunkel darüber gelassen. — Hier konnte der Herzognicht verbergen, daß er verlegen war. Das feuerte seine Gattinn an,fortzufahren: Seit der Unglücksnacht, von welcher ich nicht mehr redenwill, geht ein immer wiederkehrender, unabweisbarer Argwohn durchmeine Seele. Ob du daran Theil hattest, weiß ich nicht; aber ichweiß, daß du, und ohne Grund, den Mann bitter haßtest, der dortso räthselhast umkam, und daß du wiederholt in Träumen stöhntestund ausriefst: weiche von mir, blutiger Geist! ich war's nicht, derdich erschlug. — Hier stuhnd der Herzog, wie schaudernd, einen Augen-blick still, und schritt dann rascher, wie um einem Bilde zu entfliehen.Ich sagte dir gleich anfangs, Eufemia, daß ich schon als Knabe soträumte. — Du sagtest das und ich glaubte dir; aber hörst du,