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Des hl. Gallus Zelle an der Steinach im Jahre 614 / von Dr. Anton Henne
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Kirche, fiel der Spielmann bitter ein, würde, wenn ich diese meineUeberzeugung einem andern mitgetheilt hätte als dir, Vater, dasschwankende Rohr zerbrechen, und die Heilanstalt mich, wie ich miteigenen Augen gesehen habe, verbrennen. Nein, Bruder, erklärteder Greis, das ist ein dem ganzen Geiste des Evangeliums zuwiderlaufendes, Abscheu verdienendes Mittel, die Lehre der Erlösung undLiebe durch Schrecken, durch das Entsetzlichste, das Moralwidrigste wases giebt, durch Tödtung, durch Mord zu verbreiten. Nicht einmal für Morddarf der Staat selbst Unmoralisches thun, selbst morden; um so wenigerfür Ueberzeugung, für Irrthum, für Krankheit der Seele. Als vor230 Jahren blinde Glaubenseiferer vom Kaiser Maximus*) den Todvon Priscillianern verlangten, begab sich der große Heilige, Martinus,Bischof von Turones, an den Hof nach Trier und sprach: es sei ge-nug, ja mehr als genug, wenn die Kirche s. g. Ketzer aus stoße; vomBlutvergießen solle der Kaiser sich frei halten. Es war vergebens.Sieben der Unglücklichen wurden hingerichtet. Aber alle gallischenBischöfe traten auf des Heiligen Seite, seither ist seine Lehre im Abend-lands befolgt worden, denner will nicht den Tod des Sünders,sondern daß er sich bekehre und lebe," und ^sovissiu rron sititsurrAuiirsm,^ die Kirche dürstet nicht nach Blute.

Unter diesem Gespräche waren die Zwei den Abhang des Ro-monten im Waldschatten herabgekommen, betraten beim jetzigen Kron-bühl die offene, bebaute Ebene, bald einen Mühlenbach übersteigend,und erblickten auf der Höhe jenseits Gomanswil wieder den See, weißund das suevische Ufer drüben blau mit grünen bebauten Flecken Bodens.Hier sind wir auf dem Gebiete der Alemannen, sagte der Romane,welche uns Walhen und Wals er nennen und beinahe überall ver-drängen, außer wo sie unserer tüchtigen Handwerker in ihrer Unwissen-heit bedürfen. Da, Vater, siehst du gleich unter ihren Holzhüttettdas steinerne Haus eines solchen. Das ist der Hohenbüel, wie siesagen, bei uns Ca-faver, weil der Hörige darin (sein Urgroßvaterwar so frei als der meine) ein geschickter Schmied ist. Du siehst, seinSchlot ruht aus, er ist ein Christ und feiert heute. Der Mann istbrav und hat eine brave Familie aber sein Grund und Boden isteines alemannischen Vornehmen und was für Eines! Bei diesenWorten sah der Walser grimmig weg, wie sie am Hause vorüber-giengen, welches links am Wege lag.

Hier that sich die ganze Gegend auf, wie wenn ein Vorhang

') Theodosens Gegen- und Mitkaiser in Trier .