Niederlassung der andern an: Jttingen, dessenGaslfrcnndlichkeit eine sprichwörtliche war. Ein frischerReitersmann übt sie treulich fort. Und nun bergan,wo über gesegneten Reben die Klosterfrauen von Kalch-rain Hausen und unweit davon ihr Ordcnspatron auchüber dem Schlosse Herder» wacht.
Der gnädige Herr von St. Urban hat Tags zuvorseinen Einzug gehalten. Im Hose treibt sich Roß undTroß umher. Um die Karosse, welche die geistlicheFracht zur Stelle brachte, macht sich der Karrcr niitgemächlicher Wichtigkeit zu schassen. In der Nord-front des Schlosses, die den alten Kieselturm um-mantelt, stehen zwei Eingänge offen. Wir betreten den-jenigen zur Linken. Im gewölbten Korridore dringt unsder bekannte Klosterbrodem entgegen, das heimlicheGebräu, zu dem sich Weihrauch mit Obstkammer-düfteu, Zelleuluft und Speisedamps verstoßen. Indesder Kammerdiener die Meldung besorgt, ist der Ein-blick in die Kapelle und den Saal gestattet, wo dieKonventualeu Mahlzeit hielten. Sonnenschein strahltdurch die flimmernde Fcnsterreihe auf fromme Bilder,die über dem Halbtäser die weißen Wände schmücken.Ein Bruder räumt altvätcrischc» Besatz von der Tafelab. Die Führung hat mittlerweile ein junger Klerikerübernommen. Dieser Jüngling mit dem hellen Gesichtescheint zum Nachfolger der Prälaten erkoren, derenBildnisse aus goldenen Schnörkelrahmcu in dieKorridore herunterschaueu: stattliche Herren mit feistenfreundliche» Mienen, während andere, deren Ordens-gewand der priesterlichc Ornat verhüllt, mehr Gravitätals Wohlwollen zeigen. An dieser Ahncnreihe führtder Weg zu dero Gnaden vorbei. Ein Cistercicnserabtstößt immer Ehrfurcht ein. Kaum ein schmuckeres Ge-wand ist zu denken, als St. Bernhards Ordenskleid,der weiße Habit mit dem schwarzen Skapulier unddem goldenen Prälatenkreuze darauf. Kommt noch einfein geschnittenes Herrengesicht, oder ein markiger