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Abschriftliche und chronologische Zusammenstellung aller Akten des amtlichen Untersuchs zur Ermittelung der Ursache des Brandes in Friedthal vom Sonntag Abend den 6. Mai 1883, sowie : Meine Erlebnisse im Friedthal von 1882 bis 1885 und ; Widerlegung der Verdächtigungen an Hand der Akten / von Jacob Roth
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geistige Zerrüttung verfalle? In solcher Lage lernte ich begreifen,daß schon mancher Unschuldige sein Leben abkürzte, und daßes Augenblicke gibt, wo nur der Gedanke an die Lieben zuHause den Gefangeneil von einem Akte der Verzweiflung ab-zuhalten vermag.

In der ersten Nacht meiner Haft habe ich mit Verachtungauf die Strohmatratze geblickt und saß beständig bei Tische inder Erwartung, ich werde doch nicht eine zweite Nacht hier zu-bringen müssen. Schwer kränkte mich besonders eine hier nichtnäher zu bezeichnende Verrichtung, die zwar für Individuen,welche schon Verbrechen begangen, oder deren Vergehen mehroder minder erwiesen ist, nichts auffälliges an sich haben mag;aber für den, der mit reinem Gewissen innerhalb dieser Mauernzu weilen gezwungen ist, und der im gesellschaftlichen Lebengewohnt ivar, mit Ehren und Achtung behandelt zu werden,liegt darin eine Erniedrigung, die ich nicht zu beschreiben ver-mag. In der dritten Nacht zwang mich die Ermüdung doch,mich auf's Ttrohbett zu legen, und ich entledigte mich teilweiseder Kleider, um eher den Schlaf zu finden, aus dem ich jedochoft durch ein heftiges Beißen aufgeweckt wurde. Am Morgenentdeckte ich, daß mein Körper an vielen Stellen zerbissen war,am Leintuch zeigten sich Blutspuren und ich bemerkte einige toteWanzen. Dieses Insekt habe ich bisher nur dem Namen nachgekannt, denn trotz meiner vielen Reisen war ich vor nähererBerührung mit demselben verschont geblieben. Als der Gefan-genwärter am Morgen erschien, beklagte ich mich über diesenUmstand, worauf er sich entschuldigte, er habe davon nichtsgewußt, er wolle Terpentin bringen, dann könne ich zum Zeit-vertreib alles anstreichen und das Ungeziefer werde verschwinden.Ich unterzog mich willig dieser Arbeit. Da ich am Morgendes vierten Tages noch nicht entlassen wurde und auch seitmeiner Vcrhaftnahme nie mehr verhört worden war, so ver-langte ich Schreibmaterial, um an das Verhöramt noch einepräzisere Darstellung zu richten und schrieb bei dem kargenTageslichte, das die Zelle bot, bis zur Dämmerung. DieserBrief befindet sich ebenfalls unter den Akten (Seite 7986).

Bald nachher machten sich starke Schmerzen in dein einenAuge fühlbar. Als ich wegen dieses Uebels nach Verlauf von