Buch 
Die Milchproduktion im Thurgau in ihrem Verhältniss zur Ernährung des Volkes : : Referat an die Thurgauische gemeinnützige Gesellschaft / / von Jakob Christinger, d. Z. Präsident derselben
Entstehung
Seite
5
JPEG-Download
 

Ich werde nun, zur Sache übergehend, vor Allem einigesGeschichtliche über die Milchproduktion im Thurgau mittheilen,sodann den gegenwärtigen Stand derselben etwas näher be-leuchten und endlich einige Folgerungen daraus ziehen, welche,dann insbesondere an die Käsereigesellschaften und die land-wirthschaftliche Bevölkerung zur Erfüllung ihres Zweckes gelangensollen.

I. Geschichtliches.

Die Milchproduktion im Thurgau war bis zum Anfangeder sechsziger Jahre dieses Jahrhunderts von untergeordneterBedeutung. Es fehlte an der Kenntniß ihrer großen ökonomischenVortheile und ihrer geeigneten Verwerthung. Direktor Schatz-mann, damals noch Pfarrer in Vcchigen, redet in seinertrefflichen Broschüre:Die Milchwirthschaft im Kanton Bernin historischer, technischer und statistischer Beziehung" schon voneinemgroßartigen Aufblühen der beimischen Milchwirthschaftvon 18101800", während hier im Thurgau dieser Zweigder Landwirthschaft kaum als unscheinbare Knospe vorhandenwar. Der thürgauischc Bauer pflanzte mit Vorliebe: Obst, Wein(wo Lage und Boden es erlaubten), Getreide, Kartoffeln, Hanfund Flachs. Er baute wesentlich diejenigen Kulturpflanzen,welche bestimmt waren, seine Familie zu ernähren und zu kleiden;erst in zweiter Linie diejenigen, welche zum Verkaufe gelangenund seine nicht sehr großen ökonomischen Bedürfnisse befriedigensollten. Wenn es erlaubt ist, das bekannte Göthe'sche Gedichtauf den Thurgau umzubilden, so würde es etwa so lauten:

Kennst Du das Land, wo die Kartoffeln blllh'n,

Im dunkeln Laub die Goldreinetten glüh'n;

Gin frischer Wind vom blauen Himmel weht,

Die Rebe still und hoch der Birnbaum steht?

Kennst Du es wol? dahin, dahin

Möcht' ich mit Dir, o Freund des Guten, zieh'».