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Die Milchproduktion im Thurgau in ihrem Verhältniss zur Ernährung des Volkes : : Referat an die Thurgauische gemeinnützige Gesellschaft / / von Jakob Christinger, d. Z. Präsident derselben
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Das war eine Bodenkultur, welche manche schätzenswerteVorzüge hatte; denn sie erzeugte so ziemlich Alles, was dereinfache, sparsame und engbegrenzte Sinn jener Zeiten bedurfte.

Der Obstbaum lieferte in verschiedenen Gütegraden den be-liebten Most und füllte die Tröge mit getrockneten Birnen; derWeinstock, wenn ein sonniger Sommer seine Früchte zur Reisebrachte, war die Quelle des Goldes oder doch des Silbers;denn sein Saft wurde in die Städte an Weinhändler oder reicheLeute verkauft und daraus Kapitalzinse bezahlt, Rechnungenberichtigt, Reparaturen und Neuanschaffungen ermöglicht, Grund-stücke erworben, auch wohl die Last des Schuldkapitals allmäligvermindert. Zehn Jahre lang, so hieß es, kann der Bauer sichhinter seinen Rebstock verbergen. Nur in wohlhabenden Häusernwurde etwas Wein in den eigenen Keller gelegt. Beim Volkegalt es als eine Sünde der Verschwendung, an gewöhnlichenSonntagen oder gar Werktagen Wein zu trinken. Er blieb be-sonderen Freuden- und Traueranläßen vorbehalten, wo er dannum so kräftiger seine Wirkungen bewährte und das Wort be-stätigte:Gebet dem Betrübten Wein zu trinken, daß er seinesJammers vergesse."

Das Getreide lieferte das liebe Brot, welches Jedermannselbst zu backen Pflegte; doch wurde auch dieses sehr in Ehrengehalten, weil aller Ueberfluß dazu dienen mußte, das nöthigeGeld zu erlösen, das für den gemeinen Mann und verschuldetenBauer überaus schwer zu gewinnen war.

Das Hafermus mit Milch konnte jedoch die Fülle des Brotesund Kaffees reichlich ersetzen und ist mit großem Unrecht nachund nach fast außer Gebrauch gekommen.

Außerdem reichte der knollige Nachtschatten (Kolonum tmbo-rosum) in seinen mehligen Wurzelknollen einen Hauptnahrungs-stoff für Menschen und Hausthiere dar, der oft aus dem Tischeder Armen nur zu sehr die Hauptrolle spielte. Die Gespinnst-pflanzen versahen das Haus mit den nöthigen Gewebestoffen,