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praktischen Blick und energische Erfassung der Gelegenheit mitden Nordamerikanern verwandt sein sollen. Bischofszell undHauptweil waren unter den ersten, welche auf dem Wege derAssoziation Käsereien einrichteten und ihre Landwirthe zu ver-mehrter Milchproduktion und regelmäßiger Lieferung einluden.Bald wurde auch im Egnach, dann im mittlern und unternThurgau nach jenem Beispiel vorgegangen. Meistens bildete sichzuerst eine Gesellschaft, erstellte mit oder ohne Gemeindehülfedie nöthigen Gebäulichkeiten, setzte einige Statuten auf undverkaufte für ein Jahr die Milch an einen Uebernehmer, Käservon Beruf, welcher nun das Geschäft auf eigene Rechnung undGefahr betrieb. An einigen Orten richtete ein einzelner Land-wirth die Käserei ein und übernahm selbst den Betrieb derselben,während seine Nachbarn sich an der Milchlieferung zu bestimmtenJahrespreisen betheiligten. Erst später kamen einzelne Produktiv-gesellschaften dazu, durch einen angestellten Käser unter Aufsichteiner Kommission auf ihre Rechnung Käse und Butter zu fabriziren.
Ueber den Umfang der Milch- und Käseproduktion imThurgau war bis jetzt weder von Vereinen, noch Privaten etwasNäheres ermittelt worden. Ich war daher, um wenigstens einigeEinsicht davon zu gewinnen, genöthigt, durch Versendung einesZirkulars mit einer Anzahl bezüglicher Fragen die nöthigenErkundigungen einzuziehen. Daraus ergaben sich Resultate, diehier nur ganz summarisch aufgeführt werden sollen, da sie aus-führlicher, wenn auch nicht mit der wünschenswerthen Vollständig-keit, in einem angefügten Tableau niedergelegt sind. Die Zählund Namen der bestehenden Käsereien dürften zwar an Genauig-keit wenig zu wünschen übrig lassen, aber nicht zu allen wurdeetwas über den Umfang des Geschäftes und den Inhalt derStatuten einberichtet. Da wir uns hier auf dem Grenzgebietebewegen, wo unsere Gesellschaft sich mit dem landwtrthschaftlichenVereine berührt, so wollen wir diesem letztem die Fortsetzungund Vervollständigung dieser Statistik neidlos überlassen und