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Die Soldaten der französischen Republik und des Kaiserreichs / Hippolyte Bellangé
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vic öolvaten der Republik

zigjährige Bonaparte hatte in der That Außerordentliches vollbracht.Er hatte mit einem Heere, in welchem die Mannszucht sehr aufgelockertwar, zuerst das österreichische, dann das sardinische geschlagen. Invier aufeinanderfolgenden Jahren hatten Montesquieu, Biron,Dugommier, Dumerbion, Kellermann und Scherer umsonstsich bestrebt, den König von Sardinien zum Frieden zu zwingen,Bonaparte aber zwang ihn binnen vierzehn Tagen dazu. SeinRuhm war festgestellt, und auf Großes folgte Größeres, um die Weltin Erstaunen zu setzen.

Der vierzehntagige Feldzug, den wir hier kurz geschildert haben,genügt, um die Elemente der Strategie Bonaparte's zu erkennen.Richtige Wahl des Angriffspunktes, auf demselben überlegene Truppen-zahl, Ungenügsamkeit mit Vortheilen, die keine Entscheidung herbei-führen, Durst nach dieser Entscheidung, unausgesetztes Streben, sie sozerschmetternd als möglich zumachen, höchste Anforderung an die Thätig-keit, Anstrengung und den Muth der Truppen.

Kaum hatte der junge Feldherr den König von Sardinien zumWaffenstillstände') gezwungen, so schritt er zur Eroberung der Lombardei.Er war der Stärkere, er war der Siegende,.und seine Truppen hattendas moralische Uebergewicht. Ueberdies war unter den italienischenVölkern eine sehr mächtige Partei dem französischen Republikanismuszugethan, und die Idee der Unabhängigkeit Italiens spukte in denKöpfen.

Es galt, die Oesterreichs von dem linken Poufer zu vertreiben,und der Punkt, den Bonaparte zum Uebergange wählte, bewiesneuerdings sein eminentes strategisches Talent. In den Waffenstillstandhatte er den Artikel, daß er bei Valenz« über den Po gehen dürfe,nur aufgenommen, um Beaulieu zu täuschen, was vollständig gelang').

1) Der Friede zwischen Sardinien und Frankreich wurde drei Wochen nachher am15. Mai zu Paris geschloffen.

2) Beaulieu wurde wirklich getäuscht, denn er bemächtigte sich der sardinischenFestung Valenza durch Ueberrumpelung. Er versuchte das auch gegen Aleffandria undLortona, aber der Versuch mißlang. Da ihm nun Valenz« allein nichts helfenkonnte, verließ er es wieder, ging auf das linke Ufer des Po zurück, brach hinter