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Die Soldaten der französischen Republik und des Kaiserreichs / Hippolyte Bellangé
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und des Kaiserreichs.

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antwortete, daß er nach Wien berichten müsse. Am 1. April rückteBonaparte nach Friesach, lieferte am 2. das Gefecht von Dürnstein,am 3. das von Unzmarkt, und rückte am 5. bis Judenburg vor. Hiertrafen die österreichischen Generale Bellegarde und Meerfeldt am ^7. ein, ein Waffenstillstand kam sofort zu Stande, und zehn Tage spater,am 17. April, wurden zu Leoben die Friedenspräliminarien unterzeichnet.

Der Grund des Verfahrens des österreichischen Hofes lag darin,daß derselbe nicht vermocht hatte, dem Erzherzog Karl Verstärkungen ^

zu senden, die ausgiebig genug gewesen wären, um ihn in den ,

Stand zu setzen, Bonaparte zu schlagen, wenn derselbe auf Wien, !von welchem er nur noch 18 Meilen entfernt war, vordrang. Zwar ^

war in Wien ein allgemeines Aufgebot ergangen, aber solche äußerste !

Mittel scheute der Kaiser Franz und wollte ungeübte Leute, die nie !

eine Flinte im Ernst losgeschossen, nicht auf die Schlachtbank führenlassen. Man kann daher nicht sagen, daß die Oesterreicher sich über-eilten, indem sie die Friedenspräliminarien von Leoben unterzeichneten,zumal sie in denselben nichts aufgaben, als was ohnehin nicht mehr zuretten war.

Außerdem waren die Oesterreicher am Rheine in der Minderzahl.

Die Rheinarmee unter Moreau war 70,000 Mann, die Sambre- j

und Maasarmee unter Hoche 60,000 Mann stark; jener stand demFeldzeugmeister Latour mit 50,000, dieser dem General Wer neckmit 30,000 Mann gegenüber, so daß sich ein Mißverhältniß von !

130,000 Mann zu 80,000 Mann herausstellte. Schwerlich war einentscheidender Sieg zu hoffen, und Oesterreich würde in eine sehrgefährliche Lage gekommen sein, wenn es sich nicht beeilt hätte, inBonaparte's, den es nun einmal nicht vernichten konnte, Friedens- !

anträge einzugehen. ^

Der Feldzug am Rhein wurde erst spät im April eröffnet; Hoche !rückte mit seinem rechten Flügel gegen Frankfurt, mit seiner übrigenMacht über Gießen nach der Nidda vor; Moreau ging am 21. Aprilbei Diersheim über den Rhein: aber die Nachricht von dem Abschlüsseder Friedenspräliminarien von Leoben traf ein und machte sofort denFeindseligkeiten ein Ende.