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Die Soldaten der französischen Republik und des Kaiserreichs / Hippolyte Bellangé
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Die Soldaten der Republik

gegen Tyrol gewendet, den dort ausgebrochenen sehr ernsten Aufstandgegen die Herrschaft der Baiern zu unterdrücken.

Hiller erwartete von Stunde zu Stunde, die Spitzen der öster-reichischen Hauptarmee würden bei Mauthausen eintreffen, oder eswürden wenigstens genügende Verstärkungen für ihn anlangen. DieStellung bei Ebelsberg war sehr fest, in der Front konnte sie nurüber die siebenhundert Schritte lange Brücke über die Traun, welcheeben durch Regengüsse und das Schneeschmelzen im Hochgebirge sehrangeschwollen war, angegriffen, und umgangen konnte sie nur überWels werden, war aber auch von dieser Seite mittels des Kremsflusses,der dicht bei Ebelsberg in die Traun fallt, gut zu vertheidigen. Mas-sen« erkannte die Wichtigkeit dieser Stellung vollkommen, und griffsie am 3. Mai an. Die Oesterreichs, namentlich die Wiener Landwehr,fochten mit der ausgezeichnetsten Tapferkeit, eroberten drei Adler undnahmen 1400 Franzosen gefangen, mußten aber der Uebermacht des vonStunde zu Stunde verstärkten Feindes weichen. In den letzten Augen-blicken des Rückzuges zündeten die Oesterreichs Ebelsberg an, und dieFlammen verbreiteten sich so schnell, daß die französische Reiterei undArtillerie nicht durch das brennende Städtchen konnte. Die Verfolgungstockte daher, und obschon sie später mit Kraft unternommen wurde,konnten die Oesterreicher sich doch ohne weiteren Verlust über die Ennszurückziehen. Bei St. Pölten nahm Hiller abermals Stellung, inder Hoffnung, der Erzherzog Karl werde mit der Hauptmacht beiKrems nach dem rechten Ufer der Donau übergehen, und sich mit ihmzur Schlacht vereinigen. Da das nicht geschah, ging Hiller über dieBrücke von Krems'), die er hinter sich abbrannte, nach dem linkenUfer, und ließ gegen die große französische Armee auf der Straße vonWien nur den General Dedovich mit zweiundzwanzig Bataillonenund acht Schwadronen zurück.

Der Weg nach Wien war daher so gut wie frei. Da aber Na-poleon nicht ohne Grund befürchtete, der Erzherzog Karl werde,

I) Oder Mautern. Die Städte Krems und Stein liegen auf dem linkenDonauufer, Mautern unmittelbar gegenüber auf dem rechten.