Buch 
Die Soldaten der französischen Republik und des Kaiserreichs / Hippolyte Bellangé
Entstehung
Seite
244
JPEG-Download
 

244 Die Soldaten der Republik

ter am 1-1. November gelinder. Am 13. des gedachten Monates warder Vicekönig von Italien mit seinem Corps in Smolensk einge-troffen; der Marschall Ney blieb noch bei Tschuginewo und hatte hierein heftiges Gefecht mit dem General Schachowskoi zu bestehen.Die französische Armee war in und um Smolensk nur noch 45,000Mann stark. Die Zahl Derjenigen, welche ohne Waffen und zum Theilschon weit voraus waren, mochte fast eben so viel, wenn nicht mehr')betragen. Aber auch in den Truppen, welche noch die Waffen trugen,herrschte keine rechte Mannszucht mehr. Die verhungerten Schaarenwarteten zu Smolensk die ordentliche Vertheilung von Lebensmittelnnicht ab, sondern drangen mit Gewalt in die Magazine und plündertensie, wodurch Vieles vergeudet wurde.

Kutusow hatte aus der Gegend von Wiazma die Richtung aufJeleja genommen und war da am 8. November eingetroffen. In derGegend von Krasnoi kam er der französischen Armee, deren Nachhutunter Ney Smolensk erst am 17. verließ, völlig zuvor. Er vermieddie Gelegenheit, ihr den Weg zu versperren, weil er Napoleon nochimmer für zu furchtbar hielt, aber er beschloß, ihr so vielen Schadenals möglich zuzufügen. Daraus entstand eine Reihe von sechs Gefech-ten in der Gegend von Krasnoi^) vom 14. bis zum 18. November.Sie endeten alle damit, daß die Franzosen sich Luft machten, und in-sofern konnten sie sich als Sieger betrachten: aber der Verlust, den siein diesen Gefechten erlitten, war ungeheuer. Das letzte dieser Gefechte,das am 18., fand zwischen Ney, der noch 6000 Mann hatte, und demGeneral Miloradowitsch statt. Alle Versuche des Marschalls, dieRussen zu durchbrechen, scheiterten und er mußte sich entschließen, einen

1) Fain spricht sogar von 60,000 Waffenlosen.

2) Die französische Armee wählte die Straße über Krasnoi nach Minsk noth-gedrungen, denn sie war an ihre rückwärtigen Magazine gebunden. Da nun Witt-genstein den General La Harpe gegen Witebsk, wo die nächsten großen französischenMagazine waren, entsendet hatte, welcher General diese Stadt am 7. Novembermit Sturm nahm: so konnten die Franzosen die Straße nicht wählen, auf welcherfrüher ihre Hauptmacht gekommen war, sondern mußten jene nach Minsk einschlagen,wo sich jetzt ihre nächsten großen Magazine befanden.