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Die Soldaten der französischen Republik und des Kaiserreichs / Hippolyte Bellangé
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und des Kaiserreichs.

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sielen so in wenigen Tagen, unsere Cavallerie ging zu Fuße, der Ar-tillerie und dem Fuhrwesen fehlte es an Bespannung. Man mußte ei-nen großen Theil unserer Kriegs - und Mundvorräthe aufgeben odervernichten. Unsere Armee, am 6. November noch so schön, hatte einganz anderes Ansehen am 14, war fast ohne Cavallerie, ohne Artillerie,ohne Fuhrwerk. Ohne Cavallerie konnten wir die Gegend nicht aufeine Viertelmeile absuchen, und doch durften wir ohne Artillerie keineSchlacht wagen und den Feind festen Fußes erwarten. Wir mußtenmarschiren, um nicht zu einer Schlacht, die wir aus Mangel an Mu-nition unmöglich wünschen konnten, gezwungen zu werden; wir mußteneinen gewissen Raum besetzen, um nicht umgangen zu werden, undzwar ohne Cavallerie, welche auskundschaftete und die Colonnen ver-band. Diese Schwierigkeit, verbunden mit der Plötzlich eingetretenengroßen Kälte, machte unsere Lage schlimm. Diejenigen, welche die Na-tur nicht stark genug erschaffen hatte, um über alle Wechselfalle desSchicksals und des Glücks erhaben zu sein, waren erschüttert, verlorenihre Heiterkeit, ihre gute Laune und dachten nur an Unglücksfalle undKatastrophen; diejenigen dagegen, welche erhaben über Alles erschaffenwaren, behielten ihren Gleichmuts) und ihr gewöhnliches Benehmen bei,und erblickten in der Ueberwaltigung bisher ungekanntcr Schwierigkeitenneuen Ruhm. Der Feind, der auf den Straßen die Spuren der schreck-lichen Drangsale sah, welche die französische Armee betroffen hatten,suchte dieselben zu benutzen. Er umzingelte alle Colonnen mit seinenKosaken, welche wie die Araber der Wüste die Züge und Wagen, diesich verirrt hatten, wegnahmen. Diese verächtliche Reiterei, welche nurLärm macht und nicht im Stande ist, eine Voltigeurcompagnie zu durch-brechen, machte sich durch die Gunst der Umstände furchtbar!"

Aus dieser Darstellung, die von Napoleon selbst herrührt, ersiehtman hinreichend die völlig hoffnungslose Lage der französischen Armee,ohne daß man zu den mit dichterischer Glut verfaßten Schilderungendes Herrn von Segur seine Zuflucht zu nehmen braucht. Als diefranzösische Armee zu Smolensk ankam, erreichte die Kälte ihren höch-sten Grad; würde sie fortgedauert haben, so wäre es um die französi-sche Armee völlig geschehen gewesen. Zum Glück aber wurde das Wet-