270 Die Soldaten der Republik
Napoleon sah, daß ihn die Verbündeten rückwärts in einem gro-ßen Bogen einschließen wollten und verließ am 7. October Dresden,um es nie wieder zu sehen, was er gewiß nicht erwartete, da er dortgegen 30,000 Mann unter dem Befehl des Marschalls Gouvion St.Cyr zurückließ. Murat mit einem Theile des Heeres war gegen dieböhmische Armee bestimmt, mit der andern hoffte der französische Kaiserden ungestümen Blücher und den bedächtigen Kronprinzen vonSchweden vereinzelt zu schlagen. Das gelang nicht, und am 14.October, dem Tage, wo das große Reitergefecht bei Liebertwolkwitz inder Nähe von Leipzig geliefert wurde, traf der französische Kaiser indieser Stadt ein.
So hatten denn die Verbündeten es dahin gebracht, daß Napo-leon die Elblinie verlassen hatte müssen, und daß sie ihre Streitkräftevereinigen konnten, um ihm die entscheidende Schlacht des Feldzugeszu liefern. Im Anfange desselben hatte der Kreis um die Streitmachtdes französischen Kaisers sich über Länder gedehnt, jetzt war er bis aufwenige MeLen verengert. Dennoch glaubte dieser auch jetzt noch denSieg an seine Fahnen fesseln zu können, indem er sich mit der Haupt-macht gegen die böhmische Armee wendete, während er Allem, das vonHalle her kommen konnte, Marmont entgegenstellte. Dabei ist zubemerken, daß Napoleon, dem dieser Marschall in der Nacht des 15.October meldete, er habe die schlesische Armee vor sich, antworten ließ:„Er sei im Irrthume, diese Armee befinde sich am linken Ufer der El-ster." Daraus wird erklärlich, daß der französische Kaiser am 10. anzwei Punkten, bei Wachau und bei Möckern, die drei Stunden aus-einander liegen, Schlachten lieferte, während es seine ursprüngliche Ab-sicht gewesen, sich mit der böhmischen Armee allein zu messen und hie-zu alle verfügbaren Truppen, den größer» Theil jener Marmontsmit eingeschlossen, zu verwenden.
Auch die kürzeste Darstellung der Schlachten bei Leipzig wäre ohneeinige Beschreibung der Lage dieser welthistorischen Stadt unverständlich.Zwei Flüsse, die Elster und die Pleiße, eine große Strecke ziemlich pa-rallel laufend, vereinigen sich dicht hinter der Westseite Leipzigs undströmen zum Theil durch dessen Vorstädte. Zwar sind beide Flüsse keine