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Die Soldaten der französischen Republik und des Kaiserreichs / Hippolyte Bellangé
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271
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und des Kaiserreichs.

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großen Gewässer, aber sie fließen in mehren Armen, sie sind durchGraben unter sich so vielfach verbunden, daß ein Desilee entsteht, wel-ches oberhalb wie unterhalb der Stadt durchaus unwegsam für Trup-pen ist, um so mehr, da der Raum zwischen den vielen Rinnsalen durchhochstämmigen Wald, undurchdringliches Gebüsch und sumpfige Wiesenbedeckt wird. Der einzige Weg durch dieses Desilee führt aus Leip-zig zur Westseite durch das Rannstädter Thor'), dann auf einer Damm-straße bis Lindenau, jenseits welchen Dorfes wieder die freie Ebene be-ginnt. Um aus Leipzig bis Lindenau zu gelangen, muß man über nichtweniger als über sechs Brücken. Wird' daher nur Lindenau gehalten,und der 16. October hat bewiesen, daß das sogar gegen eine sehr über-legene Truppenzahl nicht schwer ist, so hat eine Armee, die auf derSüd-, Ost- und Nordseite von Leipzig steht, schlechterdings keine Um-gehung zu befürchten. Dieser Vortheil kehrt sich aber in einen Nach-theil um, wenn die Schlacht verloren geht und der Rückzug auf dererwähnten einzigen engen Straße genommen werden muß. Aber selbstin diesem Falle läßt sich der Rückzug ziemlich ungefährdet bewerkstelli-gen, wenn die abziehende Armee Leipzig opfert.

Nimmt man das beschriebene Desilee als eine gerade Linie, so bil-dete die Stellung Napoleons am 16. October, er mit der Hauptmachtvon Connewitz an der Pleiße bis über Liebertwolkwitz, Marmont vonMöckern bis über Wiederitsch, ein nach vorne offenes Viereck. Am 18.dagegen bildete die Stellung des französischen Heeres von Connewitzüber Propftheide bis Schönfeld an der Parthe einen ungeheuren Halb-kreis. Die ausspringende Spitze dieses Halbkreises ist das Dorf Propst-heide, unvergeßlichen Andenkens, so lange die Menschheit noch an Kriegs-geschichte Interesse finden wird.

>) Jetzt Frankfurter Thor genannt.

2) Die Parthe, der dritte Leipziger Fluß, scheidet das Feld östlich von Leipzigin zwei ungleiche Hälften; dieser Fluß deckt die nördlichen Vorstädte von Leipzig,läuft dann durch einen Wald, der das Roscnthal, heißt, und vereinigt sich unterhalbGolis mit der Elster. Die Parthe ist zwar ein sehr kleiner Fluß, schlangelt sichaber durch sumpfige Wiesen, zumal in der Nähe der Stadt, und bildet also da einnicht leicht zu bewältigendes Hinderniß, wenigstens für Geschütz und Reiterei.