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Schweizergabe zur Unterhaltung und Belehrung der Jugend : Hrsg. zum Besten der Missionsgesellschaft in Basel / von Joh[annes] Linder, Archidiakon. Mit 7 illuminierten Kupfern von August Beck
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In ihrem dritten Jahre bekam sie ein kaltes Fieber, dasbisweilen in ein hitziges überging. So schwebten ihre Elternvier volle Monate zwischen Furcht und Hoffnung. O wie schwerwurde eS ihnen oft, das Leiden des Kindes auch nicht im Ge-ringsten lindern zu können, weil die Entfernung von Saratowund der Mangel an Aerzten in dieser großen Stadt es unmög-lich machte, einen Arzt zu bekommen. Der Anblick der Leidendenwurde endlich so jämmerlich, daß man ihr den Tod hatte wün-schen mögen. Erst im fünften Monat fing sie an, sich allmäligzu erholen.

Bald hernach wurde ihr Vater von der Cholera befallen.Als das dreijährige Kind den Vater wie todt da liegen sah,brach sie in ein lautes Schreien aus, und rief unaufhörlich:"Ach Gott, ach Gott, mein Vater stirbt!" Dann nahm sie ihreMutter bei der Hand und sagte: »D Mutter, laß uns in einerEcke uicderkuicn und den Herrn Jesus bitten, daß mein Vaternicht stirbt." Und so kniete fie nieder und betete unter Schluch-zen und Weinen: »Ach lieber Herr Jesus! Blei» Vater sollnoch nicht sterben!" Und ihr Gebet war kräftig und mächtig,und er genas.

So oft ein Kind starb, sagte sie mit freudestrahlendenAugen zu ihren Eltern: "D wie freue ich mich, daß wieder einKind zum Herrn Jesus in den Himmel kommt." Starb ein Er-wachsener, so war sie sehr unruhig und wollte Gewißheit haben,ob derselbe sich wohl zum Herrn Jesus bekehrt habe. Konnteman zu ihr sagen, daß der oder jener Verstorbene auf seinemKrankenbett zu Jesu geseufzt habe, so weinte sie vor Freuden.Wenn sie der Vater als Kind auf seinem Schooße hatte undihr Jesum am Kreuz vor die Augen malte, oder von der Herr-lichkeit des Himmels mit ihr sprach, da weinte sie sich oftmit ihm satt; und solche Stunden gehörten zu den seligstenihres Lebens.