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Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
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Erstes Kapitel.

nicht wesentlich von den jetzigen verschieden. Die Thäler derNiederterrassen sind im Hochterrassen-Schotter ausgehöhlt. Wenn dieNiederterrasse mit der letzten Gletscherzeit in Verbindung steht,durch Abspülung des Schuttmateriales ihrer Moränen entstandenist, so steht die Hochterrasse mit der zweitletzten Gletscherzeit in Be-ziehung.

In der Nordschweiz haben wir noch ein drittes, weitverbreitetesGletschergebilde, die löcherige Nagelfluh, die auf den niedern Berg-rücken ganze Decken bildet und deshalb als Deckenschotter be-zeichnet wird. Man darf sie nicht mit der viel älteren, kompaktenNagelfluh verwechseln, aus welcher Speer, Rossberg und ein Teil derRigi bestehen. Die Geschiebe des Deckenschotters sind stark zersetzt;Eindrücke in denselben, wie sie z. B. bei der Speernagelfluh sohäufig sind, findet man nicht. Die Oberfläche vieler Kalkgerölle isthart und rauh, ja manche sind durch die Sickerwasser ganz aus-gelaugt, welcher Umstand schuld ist am alten Namen dieses Schotters:löcherige Nagelfluh.

Die Geschiebe des Deckenschotters stammen zum Teil aus denAlpen , zum Teil aus"dem Molasseland. Die alpinen Materialien sindseltener als in den Terrassenschottern; besonders Sernifit ist selten.Häufig dagegen sind Geschiebe aus der älteren, sogen, miocenenNagelfluh, ferner dunkle Kalke und Quarzite. Das Material desDeckenschotters ist gerundet und geschichtet, also haben wir auchhier Zeichen der Wasserwirkung. Gegen Süden erscheint eine Block-facies, gekritzte Geschiebe kommen vor, Beweise der Gletscher-wirkung. Der Deckenschotter ist ebenfalls ein fluvio-glaciales Gebilde,aber er ist nicht gleichalterig mit dem Hochterrassen-Schotter, wieschon die allgemeine Verfestigung, ganz besonders aber die Zu-sammensetzung ergiebt. Der Deckenschotter steht mit der ältestenGlacialperiode in Verbindung, ist ein Produkt derselben.

Fassen wir die gegenwärtig gültigen Ansichten unserer Geologenüber das Diluvium zusammen, so ergiebt sich folgendes Resultat:Die letzte grosse Ealtungsperiode der Alpen liegt im Tertiär.Erst nach derselben begann die erste Eiszeit. Die Gletscher wuchsenund reichten im Linthgebiet etwa bis Lägern und Irchel. Nicht dasThal des Ziirichsees, das damals von der Sihl durchflossen wurde,sondern das Glattthal ist der ursprüngliche Linthweg. Damalsfloss der Rhein gegen t Ulm . Die Alpenthäler, sowie diejenigen desMittellandes, waren noch wenig ausgebildet. Dann zogen sich dieGletscher zurück; es kam die erste Interglaciärzeit. Das durch denGletscher angehäufte Geschiebe wurde von den Schmelzwassernweggeführt, zahlreiche Thäler entstanden und nur auf den Berg -