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Erstes Kapitel.
mit Aufhängeloch versehen worden waren (Fig. 20). Da der Jura,in dem sich die Höhlen der Troglodyten des Kts. Schafifhausenbefanden, zahlreiche Versteinerungen enthält, so sind auch solcheStücke durchbohrt und als Schmuckgehänge benutzt worden (Fig. 21u. 22). Neben durchbohrten Ammoniten kamen Pectunculus undCerithium im Kesslerloch vor. Indessen fanden sich auch Schmuck-sachen aus einem Material, das man nicht in Höhlen erwartet:dem Gagat oder der Pechkohle, welcher Stoff heute in der Jet-Industrie Verwendung findet (F'ig. 23—26).
Merk hielt die Gagatobjekte für Braunkohlenstücke und glaubte,das Material stamme vom Schienerberg, nördlich vom unteren Bodensee .O. Fraas aber zeigte, dass die Troglodyten von Thaingen denGagat wahrscheinlich aus dem Lias der Rauhen Alb bezogen, sofernsie ihn von der nächsten Lagerstätte erhielten. Es wäre wohl mög-lich, dass die Rentierjäger ihre Jagdzüge bis dorthin ausgedehnthätten, um das kostbare Material zu holen und „nach Hause“ zutragen, wo es dann zu Schmuckperlen, Scheiben, Gehängen, Berlockenverarbeitet wurde u. s. w., deren Zierlichkeit den P'orscher er-freut. Manche dieser Objekte sind auch noch durch Punktreihenund Perlbänder verziert. Auf einigen Kohlenstückchen finden sichOrnamente, die Zweigen oder Farnwedeln gleichen und ein Plättchenaus Gagat zeigt verworrene Striche, in denen ein phantasievollerBeschauer eine urweltliche Landkarte zu erkennen glaubte.
Wir haben aber noch bedeutendere Kunstwerke von den altenHöhlenbewohnern. Sie haben auf Rentierhorn Zeichnungen vonTieren (in P'rankreich sogar von Menschen) eingeritzt und aus dem-selben Material Skulpturen gearbeitet. Diese frühesten Beweise einerhohen Kunstfertigkeit sind von der Forschung mit Misstrauen auf-genommen worden und da sich gerade auch in Thaingen einArbeiter absichtliche Fälschungen zu schulden kommen liess, so istes angezeigt, diese ältesten Erzeugnisse der Kunst etwas genauerund kritisch zu prüfen.
4* Zeichnungen und Skulpturen. „Was erst, nachdem Jahrtausende verflossen,
Die alternde Vernunft erfand,
Lag im Symbol des Schönen und des GrossenVoraus geoffenbart dem kindlichen Verstand.“(Schiller.)
Sobald die Kunde von der Entdeckung im Kesslerloch nachZürich gelangte, reisten einige Forscher nach Thaingen, um Gra-bungen vorzunehmen. Dabei fand nun Prof. Heim an der Grenzeder beiden Kulturschichten in 1 m Tiefe an einer vollkommen un-verletzten Stelle des Höhlenbodens das F'ragment eines Rengeweihes,auf dem er eine tiefe F'urche und quer zu derselben mehrere