Die Eiszeit oder das Diluvium.
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schwächere Ritze erkannte. Da solche bereits an mehreren Stückenkonstatiert worden waren, so bemerkte Heim, sich an die nebenihm arbeitenden Herren Choffat und Messikommer wendend: „Dasind noch feinere Querritzen!“ Dann legte er das Stück in denKorb, in welchen alle Funde wanderten. Als er nach Hausereiste, wurden die während seiner Anwesenheit gefundenen Ob-jekte verpackt und gelangten schon am folgenden Tage (den7 - Januar 1874) ins Polytechnikum nach Zürich . Am 8. JanuarWurde die Kiste ausgepackt und Stück für Stück des Inhalts mitfeinem Bürstenpinsel und Wasser gewaschen. Beim Durchmusternder Funde fand Heim auch das Hornstück mit den Querritzenwieder. Als er dasselbe umdrehte, entdeckte er noch mehrLinien, welche die Hinterbeine eines Tieres darzustellen schienen.Die Zeichnung war undeutlich; dem Abwart, der die Reinigungvorgenommen, war sie völlig entgangen. Nun rief Heim vollerFreuden den eben in der Sammlung arbeitenden Geologen Choffatherbei und den vereinten Bemühungen gelang es, endlich das ganzeTier aufzufinden: Es war ein weidendes Rentier. Da die Zeichnungdurch Travertin oder einen mit kohligen Teilchen erfüllten Kalk-überzug verdeckt war, wurde die natürliche Oberfläche des Geweih-stückes durch Anätzen mit verdünnter Salzsäure und Waschen mit^ erpentinöl blossgelegt.
Bei der Publikation seines P'undes war sich Heim wohl be-wusst, dass die an Feinheit alles bis dahin Entdeckte übertreffendeZeichnung Anlass zu Zweifeln an der Echtheit des Stückes gebenkönnte und er erklärte deshalb, dass er „mit seiner ganzen Ehre“für dieselbe einstehe.
Betrachten wir nun das Meisterwerk des Troglodyten vonThaingen, das jetzt eine der kostbarsten Perlen des Rosgarten-Museums in Konstanz ist (Fig. 27)! Heim hält dafür, dass der Rückendes Tieres zuerst gezeichnet wurde. Die Betrachtung der Extremi-täten desselben ergiebt, dass die Vorderbeine viel besser ausgefallens >nd, als die Hinterbeine. Von den drei vorhandenen Bauchlinienist die unterste die endgültige. Die falschen, erstgezeichneten, stehen^'t den Hinterbeinen in Verbindung, also sind diese vor dem Kopfünd den Vorderbeinen gezeichnet worden. Es hat demnach derKünstler links angefangen und zuerst Rücken und Hinterbeine inf ke polierte Rentierstange eingeritzt. Plrst nachher kamen Kopfl 'nd Brust an die Reihe. Sie wurden offenbar etwas weiter nachunten gezeichnet, als beabsichtigt gewesen war, daher die Bauch-ünie auch mehr nach unten verlegt wurde. Die Mehrzahl der infranzösischen Höhlen gezeichneten Tiere schaut nach links. Das ist