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Erstes Kapitel.
dann Nomaden geworden, nachher zum Ackerbau vorgeschrittenund hätten endlich die Lautschrift erfunden. Heutzutage sieht mandie Sache von einem etwas anderen Standpunkte an, wenn auch jeneHauptgruppen anerkannt werden.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Australier, die Mincopie’sder Andamanen, die Buschmänner Südafrika’s , die Feuerländer u. s. w.die niederste Stufe der jetzt lebenden Menschheit repräsentieren.Nach allem, was wir wissen, standen auch die DiluvialmenschenEuropa’s ungefähr auf derselben Stufe, die man mit Morgan dieWildheitsstufe nennen könnte. Alle diese Völkerschaften fristen ihrLeben mit der Jagd und mit Pflanzensammeln. Was in Wald undFlur Essbares sich findet, wird zu erlangen gesucht und dabei er-kennen wir bereits die erste Arbeitsteilung nach Geschlechtern.Während der Mann als Jäger auftritt und dem Wilde nachstellt,sucht die Frau Beeren, Nüsse, essbare Kräuter, Wurzeln, u. s. w.Das Schwergewicht der Gesellschaft der „Wilden“ ruht dabei offen-bar auf der Seite der Männer, neben denen die Weiber eine, oft zwarnur wenig tiefere Stellung einnehmen.
Von der Stufe der Jäger und Pflanzensammler aus konnte sichdie Menschheit nach drei Seiten entwickeln. In denjenigen Gegenden,wo die Jagd sehr ergiebig war, also viel Gewild lebte, lohnte sichdas Sammeln von Vegetabilien nicht so recht und es entwickeltesich aus dem Jäger der Viehzüchter. An andern Orten, z. B.auf der westlichen Halbkugel, herrschte Mangel an leicht zähmbarenTieren, wogegen die Pflanzenwelt einige Arten darbot, die leichtin den Dienst des Menschen gezogen werden konnten. So entstandder Ackerbau. An einer dritten Stelle der Erdoberfläche verlegtensich die Bewohner nach Überwindung des Jägerlebens auf Viehzuchtund Ackerbau zugleich. Wir werden sehen, dass die PfahlbauerEuropa’s schon in der Steinzeit nicht bloss alle wichtigeren Haustierebesassen, sondern auch den Acker bebauten und die wichtigstenGetreidesorten anpflanzten.
Die Menschheit ist aber nicht plötzlich von der Stufe der Jägerund Pflanzensammler zu derjenigen der Viehzüchter fortgeschrittenoder direkt zum Ackerbau gelangt, sondern es waren beides dieFrüchte langer Zeiträume der Entwicklung. Der Jäger hat einengenauen Einblick in’idajs Geben der Tiere, die er erlegt. Nicht allestehen ihm gleich feindlich gegenüber; mit manchen befreundet ersich sogar. Zur Kurzweil und zum Vergnügen wird der Jäger derVorzeit, wie der heutige Wilde, hier und da ein junges, niedlichesTier lebend heimgebracht und es gepflegt haben. Gewiss sindmanche derartige Versuche gemacht worden und werden heute noch